Von Anfang an steht das Unternehmen unter keinem guten Stern. Geprobt wird eine Boulevardkomödie mit allem, was dazu gehört. Das gesamte Ensemble wird von der Angst verfolgt, dass in seiner geordneten Welt aus gelerntem Text und einstudierter Rolle das Chaos ausbricht. Und genau das geschieht. Abwechselnd fatalistisch und zynisch versucht der Regisseur, den Überlebenskampf der Schauspieler mit Türen und Requisiten zu einem guten Ausgang zu führen. Ein Stück Theater auf dem Theater auf dem Theater von unwiderstehlicher Komik.
Die ganze Welt ist eine Bühne, aber auf dieser Bühne spielen tollpatschige Schauspieler, die weder vor noch hinter den Kulissen besonders gut zurechtkommen. Das Unternehmen steht also unter keinem guten Stern. Wenn die alte Theaterweisheit stimmt, dass eine verpatzte Generalprobe eine um so bessere Premiere garantiert, dann hat unsere kleine Tourneetheatertruppe, die gerade unweit von London eine Boulevardkomödie probiert, beste Aussichten, mit ihrem epochalen Machwerk "Nothing on" einen bombastischen Welterfolg zu landen. Denn was sich hier eine Nacht vor dem "Tag X" abspielt, ist wirklich der nackte Wahnsinn.
Eigentlich ist die zu spielende Geschichte ganz nett und lustig gestrickt: Immobilienmakler plant Seitensprung in fremdem Eigenheim, Liebesnest wird von Haushälterin okkupiert, Noch-Hausbesitzer sucht dort selbst Zuflucht vor Steuerbehörden und betagter Einbrecher hofft auf wertvolle Schnäppchen zur Alterssicherung. So weit, so gut - wenn ... , ja wenn da nicht unser "begnadetes" Ensemble wäre! Z.B. Dotty, die Mimin des "Haushälterinnenoriginals". Sie hat all ihre Ersparnisse in diese Produktion gesteckt und erwartet dementsprechend respektvolle Behandlung. Zudem ist sie mit Kollegen Garry "heimlich" liiert, was dem Betriebsklima eher abträglich ist. Garry seinerseits besticht durch problemorientiertes Denken bei gleichzeitiger verbaler Unzulänglichkeit ("Äh, Du weißt schon, was ich meine!?"). Seine Bühnenpartnerin Brooke hingegen verliert bei jeder sich bietenden Gelegenheit mindestens eine Kontaktlinse und zeichnet sich ansonsten durch blondierte Begriffsstutzigkeit aus. Vom alkoholgefährdeten Selsdon, der "lieben Kollegin" Belinda und dem "gottgleichen" Regisseur Lloyd ganz zu schweigen...
Das gesamte Ensemble wird von der Angst verfolgt, dass in seiner geordneten Welt aus gelerntem Text und einstudierter Rolle das Chaos ausbricht. Und genau das geschieht: verpasste Einsätze, vergessene Requisiten und jede Menge Intrigen - und die Premiere ist in sechs Stunden! Abwechselnd fatalistisch und zynisch versucht der Regisseur, den Überlebenskampf der Schauspieler mit Türen und Requisiten zu einem guten Ausgang zu führen. Michael Frayns irrwitziger Theaterspaß gewährt tiefe Einblicke in das ach so glamouröse Leben auf den Brettern, die bekanntlich die Welt bedeuten. Wahnsinn, nimm deinen Lauf!
Aufführungen: Sa 9., Fr 15., Sa 16., Fr. 22. u. Sa 23. April jew. 19:30, So 17. u. So 24. April jew. 18:00, Ort: Theaterstadl Guntersdorf, Info + Karten: 02952/24 53 (Di 14-17, Do 8-11 Uhr), http://www.tww.at .