Freitag 23.06. um 20:00: Stangls Clubabend
Deep-Purple-Night
Samstag 24.06. um 20:30: "Der Brückenfall oder das Drehherz" Roman - Autor Matthias Mander - Lesung
Manders neuer Roman ist Literatur an der Schmerzgrenze. Anders kann man die von Kapitel zu Kapitel sich drehende Schraube der Vergeblichkeit des Bemühens, eine vorauszusehende weil vorausberechnete Katastrophe zu verhindern, nicht bezeichnen. Im Mittelpunkt des Geschehens steht der Professor der technischen Mathematik Joseph Plach, der 1936 den Einsturz der im Bau befindlichen, im Jahr 1937 mit einem großen Staatsakt eröffneten Wiener Reichsbrücke voraussagt - was dann, wie erinnerbar, am frühen Morgen des Sonntags 1. August 1976 tatsächlich eintrifft. Es sind nicht nur Materialschwindel, Kapitalmangel oder Kollegenneid, die an dieser Schraube kräftig drehen, es ist die Staatsraison selbst, die eine Korrektur nicht mehr bewältigt. Der innenpolitisch geschwächte Ständestaat will der zunehmenden nationalsozialistischen Bedrohung einen "Beweis" der Lebensfähigkeit Österreichs entgegensetzen und will ihn durch den als technische Glanzleistung propagandistisch ausgeschlachteten Brückenbau erbringen. So wird der Warner zum Staatsfeind. Das einzige, was man vom Professor noch wissen will, bevor man ihm, weil man vor seiner Berechnung kapitulieren muss, den Hörsaal versperrt, ist die Beantwortung der Frage: "Wie lange wird sie halten?" Plach: "Maximal vierzig Jahre." Im Geiste gequält von der Vorstellung der sicheren, aber in ihrem genauen Eintreten unbekannten Katastrophe, die Hunderte, ja Tausende Menschen in den Tod reißen würde, will der Geächtete durch den Selbstmord, den er zusammen mit seiner Frau begeht, das Gewissen der Verantwortlichen aufrütteln. Genauer hätten die Berechnungen des Professors nicht sein können. Im 40. Jahr nach ihrer Eröffnung hat die Bewegung des instabilen Bodens die Brückenauflagen so weit auseinander gezogen, dass sie einstürzt. Glücklicherweise kommt nur ein Passant ums Leben. "... ein über weite Strecken fesselndes Buch, das durch seine präzisen topographischen Beschreibungen, sein historisches aber vor allem technisches Fachwissen besticht. Und die Besetzung der Hauptrolle durch die alte Reichsbrücke... ist tadellos."
Dr. Markus Hildenbrand, Wien (Furche), Eintritt: Euro 6,-
Info: dakig - der andere kulturverein im grenzbereich, Inge Hauser, Bahnstrasse 33a (hinter LIBRO), 2230 Gänserndorf, http://www.dakig.at , mailto:inge.hauser@airwave.at , Freitag und Samstag geöffnet