Samstag, 16. September 2006, 19:30 Uhr
Kirche St. Michael/St. Peter in der Au
Der Vogel im Käfig
Jose Hernandez Pastor - Alt / Pierre Pitzl - Barockgitarre
Werke von Jose Marin, Luiz Briceno, Francisco Guerau, Gaspar Sanz, Girolamo Kapsberger, Michele Bartolotti u.a.
Pierre Pitzl hört gern Neil Young. Das hört man, wenn er zur Barockgitarre greift. Auch Jose Marin war nicht unbedingt ein Braver. Priester zwar, umworbener Sänger, aber doch mehr Zeit seines Lebens im Gefängnis denn anderswo. «Der Vogel im Käfig» in St. Peter in der Au heißt Jose Hernandez. Es darf geschmachtet, gejubelt, geseufzt und verinnerlicht werden. Ein Rondo: Liebe und Natur und Natur und Liebe, einmal im Kreis herum. Innenleben im Freud-Jahr: «Berge des Tajo, horcht auf! Erneut beklage ich mein Lied, Geschwätzigkeit kommt vom Wasser und Stille von den Wäldern.» Die Rahmenbedingungen sind vorhanden, ein offenes Herz schafft die Musik von Bartolotti bis Sanz.
Im Mittelpunkt des Programms steht der legendäre spanische Priester, Komponist, Gitarrist und Haudegen Jose Marin. Zweimal des Mordes angeklagt, verbrachte er den Großteil seines Lebens im Kerker (aus dem man ihn, hin und wieder - wie einen Vogel - zum Singen in der Kirche, ausließ), auf der Galeere und im Exil in Italien. 1699 starb er hoch angesehen in Madrid. Er hinterließ 55 Tonos Humanos- Lieder für eine Stimme mit Begleitung einer Gitarre. Die Texte sind äußerst kunstvoll und versponnen, voller Allegorien und Symbole. Dabei spielt die Natur eine große Rolle. Oft dient sie dem Liebenden als ein Abbild, in dem sich sein innerer Zustand spiegelt. «Berge des Tajo, horcht auf!/ Erneut beklage ich mein Leid,/ Geschwätzigkeit kommt vom Wasser/ und Stille von den Wäldern...»
Sonntag, 17. September 2006, 19:30 Uhr
Eybl Schmiede in Ybbsitz
Und leise, leise, kräht der Hahn
Wolfram Berger - Rezitation / Jon Sass - Tuba
Was heute als «Art Brut» am internationalen Kunstmarkt Spitzenpreise erzielt, war einfach das Leben des ehemaligen Bauernknechtes Adolf Wölfli, der 1930 als Patient der Irrenanstalt Waldau bei Bern starb. Er war ein Universalist, zeichnete, dichtete und komponierte. Es sind Kopfwelten, in die sich Wolfram Berger und Jon Sass vergraben. Und es darf niemanden wundern, wenn der eine mit der Tuba liest und der andere ohne Tuba spielt. Alles steht gerade auf dem Kopf, hat im Formlosen seine Architektur und mündet in ein Text-Konzert. Die wahren Abenteuer sind im Kopf. Simpel und absolut zielführend für diesen Abend.
Der ehemalige Bauernknecht Adolf Wölfli, 1864 geboren und 1930 als Patient der Irrenanstalt Waldau bei Bern gestorben, gilt als das berühmteste Beispiel eines schöpferischen Schizophrenen. Wölfli hat ein unermessliches zeichnerisches, dichterisches und musikalisches Werk geschaffen, das durch seine phantastische Vielfalt und Unbändigkeit fasziniert. Aus der riesigen Sammlung von Adolf Wölflis Schriften wählte Wolfram Berger Gedichte und Geschichten für dieses Text-Konzert aus.
Das Programm ist eine Mischung aus lautmalerischer Lesung und einem abstrusen Ländlerabend mit einem der weltbesten Tuba-Spieler: Jon Sass, der die Bilderwelt von Wölfli äußerst sensibel musikalisch begleitet.
http://www.projektnatur.at .