Orte der Kritik, das Thema dieses Bildpunkt, meint zweierlei: Orte, von denen Kritik ausgeht und solche, die zu kritisieren sind. Nicht selten handelt es sich dabei allerdings um ein und denselben. Bestimmte Institutionen im künstlerischen Feld kommen gar nicht mehr aus ohne den Nimbus des "Kritischen", wodurch fundamentale Kritik an den Verhältnissen nicht selten absorbiert und "vereinnahmt! " wird. Auf der anderen Seite haben aber auch Orte, von denen "traditionell" Kritik ausging - die Straße, der Kiez/das Barrio, die Akademie - einen Strukturwandel erfahren, so dass auch auf sie nicht mehr unbedingt zu zählen ist. Was aber ist das überhaupt noch mal: Kritik?
Marius Babias diskutiert die Bedingungen, unter denen "Kritische Kunst" sich heute zu formieren hat und die Frage, wie weit man dabei bereit ist zu gehen. Darauf pauschale Antworten zu geben, ist unmöglich: Das zeigt zum einen Nora Sternfeld, die die jeweiligen Ausgangsbedingungen für Kritik als entscheidend für die daraus erwachsenden Forderungen beschreibt. Und zum anderen schildern Alice Creischer und Andreas Siekmann anhand ihrer eigenen Arbeit, wie situations- und kontextabhängig Entscheidungen für oder gegen Institutionen und die an oder in ihnen geübte Kritik sein können.
Mit konkreten Räumen beschäftigen sich Bildbeiträge von Kristina Haider und Anja Salomonowitz, die Prozesse der Produktion oder Verhinderung von Kritik thematisieren. Wie Creischer/Siekmann nimmt auch Maria Galindo die eigene Arbeit zum Anlass ihrer Reflektionen, in denen sie das bolivianische Frauenkollektiv Mujeres Creando aus der Perspektive der lesbisch-feministischen Aktivistin verortet.
Aus einem kunsthistorischen Blickwinkel bespricht Sabeth Buchmann die Praxen der Institutionskritik jenseits der häufig vereinfachenden Polarisierung von Kritik und Affirmation. Zwischen diesen verschiedenen Polen von Aktivismus und Theorie, Kunstpraxis und Kunstgeschichte, findet auch das Gespräch der Redaktion mit Lisl Ponger und Elke Krasny statt. Vlatka Frketic\' hat wieder die Glosse verfasst, die Bildstrecke hat Patricia Reschenbach gestaltet.
Im Kulturpolitik-Teil des aktuellen Bildpunkt schreiben Ariane Sadjed und Sylvia Köchl über Selbstorganisation von MigrantInnen im Kulturbereich und ihren Umgang mit den Kontrollgelüsten der SubventionsgeberInnen. Clemens Christl setzt sich mit Finanzierungserforderungen für Freie Radios auseinander. Außerdem nachzulesen: Der Forderungskatalog der IG Bildende Kunst zu "Freiheit der Kunst! Und Bleiberecht für alle!".
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