Am 9. November treffen sich AutorInnen aus verschiedenen europäischen Ländern zu einer Podiumsdiskussion an der Donau-Universität Krems: Die ukrainische Schriftstellerin Oksana Zabuzhko, einer der wichtigsten bosnischen Schriftsteller der Gegenwart - Dzevad Karahasan, die österreichische Autorin und Theaterregisseurin Marlene Streeruwitz und Éva Karádi von der Budapest-Redaktion der Zeitschrift Lettre International sprechen mit Moderator Alois Schörghuber (Ö1) über die Integration Europas.
"Die Literatur ist die höchste Form der Erkenntnis, weil sie zeigt, dass es nicht so wichtig ist, ans Ziel zu kommen, aber unendlich wichtig, dieses Ziel aus allen Perspektiven anzuschauen, es zu begreifen und zu enträtseln, warum man es erreichen wollte", schrieb Dzevad Karahasan, als er vor einigen Jahren den Leipziger Buchpreis zur europäischen Verständigung erhielt. Auf der einen Seite steht eine Literatur, die sich weniger als Unterhaltungsmedium denn als Erkenntnisinstrument versteht - diese Überzeugung wird Karahasan mit seinen Gesprächspartnerinnen am Podium vermutlich weitgehend teilen. Auf der anderen Seite stellt sich immer wieder die Frage, wie sich Literaten und Intellektuelle in Zeiten des "Kulturkampfs" verhalten sollen - eine Frage, die mit dramatischen Ereignissen wie der Ermordung des holländischen Filmemachers Theo Van Gogh, der Aufregung um 12 Mohamed-Karikaturen in einer dänischen Zeitung oder der Parteinahme Peter Handkes für einen brutalen Diktator verstärkt öffentliche Aufmerksamkeit erfährt und nach konkreten Antworten verlangt.
Oksana Zabuzhko lebt in Kiew, absolvierte dort ein Philosophiestudium, war als Mitstreiterin der orangen Revolution aktiv und ist derzeit Vizepräsidenten des ukrainischen PEN-Zentrums. Ateliergast des Unabhängigen Literaturhaus NÖ im November. Auf Deutsch ist 2006 der autobiografisch gefärbte Roman "Feldstudien über ukrainischen Sex" (Droschl) erschienen.
Die Autorin und Regisseurin Marlene Streeruwitz hat in diesem Herbst den Roman "Entfernung" (Fischer) publiziert: er ist in London angesiedelt und erzählt von einer Frau, die das Phänomen "Globalisierung" als Angriff auf ihre eigene Person erlebt.
Dzevad Karahasan, in Duvno/Jugoslawien geboren, ist Erzähler, Dramatiker und Essayist. In seinem neuesten Roman "Der nächtliche Rat" sucht er wie auch im zuvor erschienen "Buch der Gärten" nach Bezugspunkten zwischen Christentum und Islam. Er lebt heute in Graz und Sarajevo.
Die Podiumsdiskussion findet am Donnerstag, den 9. November, um 19:30 Uhr an der Donau-Universität Krems (2. Stock, Seminarraum 2.4) statt. Der Eintritt ist frei.
Der europäische Traum
SchriftstellerInnen im Gespräch
9.11.2006, 19:30 Uhr
Donau-Universität Krems (Altbau, 2.Stock, Seminarraum 2.4)
Mit Éva Karádi (Ungarn), Dzevad Karahasan (Bosnien/Österreich), Marlene Streeruwitz (Österreich) und Oksana Zabuzhko (Ukraine).
Moderation: Alois Schörghuber (ORF/Ö1 und Radio 1476).
Information:
Dr. Christine Grond
Donau-Universität Krems, Campus Cultur
Tel 02732 8932572, mailto:christine.grond@donau-uni.ac.at .