Die interdisziplinäre Kulturinitiative GLOBArt verleiht ihren Award 2006 an Maestro José Antonio Abreu für das von ihm ins Leben gerufene Bildungsprojekt "Nationales Netzwerk der Jugend- und Kinderorchester von Venezuela". Das von Abreu gegründete Simón Bolívar Symphony Orchestra of Venzuela wirkt beim von Peter Sellars kuratierten "New Crowned Hope"-Festival mit. Abreu wird der Award im Rahmen einer Aufführung der Oper "A Flowering Tree" bei diesem Festival im Wiener Museumsquartier überreicht.
Der 1939 Caracas (Venezuela) geborene Wirtschafter, Jurist, Musiker und Dirigent José Antonio Abreu hat sich zum Ziel gesetzt, durch Musik Kinder von der Strasse zu holen. 1975 gründete er mit elf Kindern und Jugendlichen in einer Tiefgarage das erste Sinfonieorchester Venezuelas. Daraus entwickelte sich ein Orchesternetzwerk mit einer Bildungsoffensive, die heute über 24.000 Jugendliche in 90 Musikschulen, unterrichtet von 15.000 Lehrern, vereint.
Tausenden Kindern von Venezuela fehlt jegliche Zukunftsperspektive. Abreu bietet mit seinem Orchester die Möglichkeit, Armut, Diebstahl und Drogenvergehen zu umgehen und durch Mitwirkung im Orchester Einkommen für Familien zu sichern. Kinder erhalten die Chance auf Bildung und Integration in die Gesellschaft. Längst greifen sie lieber zur Oboe als zum Revolver. Abreu: "Das Orchester ist eine Schule des Zusammenlebens und der Solidarität. Sie ist eine imaginäre Ausdehnung der Familie, eine zweite Heimat. Die Probe ist für Kinder und Jugendlichen der glücklichste Moment des Tages."
Venezuela, bekannt für hohe Kriminalitätsraten und Miss-Wahlen, ist mittlerweile zu einer Welt weit bewunderten Musikbörse geworden. Beispiele sind die von Martha Argerich geförderte Pianistin Gabriela Montero, der Dirigent Gustavo Dudamel, der Kontrabassist Edison Ruiz. Gustavo Dudamel hat 2004 den erstmals ausgetragenen Gustav-Mahler-Dirigierwettbewerb der Bamberger Symphoniker gewonnen. Seitdem reißt sich die internationale Musikwelt um den Hochbegabten, in Europa wie den Vereinigten Staaten. Edison Ruiz stammt aus einem Armenviertel von Caracas, arbeitete schon als Neunjähriger in einem Supermarkt, um das magere Einkommen seiner Mutter aufzubessern. Er drohte in die Kriminalität abzurutschen, bis ihm ein Nachbar von der örtlichen Musikschule erzählte. Dort gab man ihm eine Bratsche, setzte ihn einfach ins Orchester. Später entschied er sich für den Kontrabass. Mit gerade erst 17 Jahren wurde er Mitglied des Berliner philharmonischen Orchesters.
Gestaltet wurde der GLOBArt Award von Josef Kaiser, Professor an der Universität für angewandte Kunst in Wien. Das Modell ist eine dreidimensionale Synthese aus formalen Gestaltungselementen - verstanden als harmonisches Komposition - und jenen symbolischen Begriffsinhalten, welche die Aussage dieses Preises repräsentieren: Geist, Kunst und Gesellschaft. Zu den bisherigen GLOBArt Award-Trägern zählen Lord Yehudi Menuhin, Václav Havel, Bischof Erwin Kräutler.
GLOBArt Kontakt: Tel 0676/943 34 82, mailto:pippa.breuss@globart.at .
GLOBArt Festakt im Rahmen der Oper "A Flowering Tree"
Donnerstag, 16. November 2006, 20.00 Uhr
Museumsquartier Halle E + G, Museumsplatz 1, 1070 Wien
Kartenbestellung: Tel 01/589 22 22, mailto:kartenbuero@festwochen.at .
Informationen:
GLOBArt Academy, A-3753 Pernegg 1, mailto:office@globart.at , http://www.globart.at .
Goldschmiedgasse 10, A-1010 Wien, Tel.: + 43 / 1 / 534 62 87, Fax.: + 43 / 1 / 534 62 67