"Organize the Unorganized!" - dieser Slogan der US-amerikanischen Gewerkschaftsreformbewegung bestimmt wie kaum ein anderer die aktuellen Debatten rund um die Frage der Möglichkeit einer gewerkschaftlichen Erneuerung. Die Brisanz des Themas selbst resultiert dabei aus dem Trend zur Auflösung gewerkschaftlicher Organisierung, der mit dem Prozess der Prekarisierung einhergeht.
Die Dringlichkeit eines gewerkschaftlichen Umdenkens macht Klaus Dörre in seinem einleitenden Text zum Heftschwerpunkt anhand einer Auseinandersetzung mit den vielfältigen Facetten gegenwärtiger Prekarisierungsprozesse deutlich. Als Modell, an dem sich ein gewerkschaftliches Agieren in diesem Zusammenhang orientieren könnte, führt nicht nur er, sondern auch Susanne Pernicka in ihrem Artikel zu den diesbezüglichen Entwicklungen im ÖGB den in den USA entstandenen Organizing-Ansatz ins Feld. Wie dieser in der Praxis funktioniert, zeigt Efthimia Panagiotidis in ihrem Beitrag - und zwar anhand eines von der Gewerkschaft ver.di in Hamburg realisierten Pilotprojekts.
Damit angesprochen ist die dem Aufbegehren prekär Arbeitender und Lebender politisch Ausdruck verleihende Euromayday-Bewegung, welche Martin Birkner und Birgit Mennel in ihrem Schwerpunkttext einer Reflexion unterziehen. Ein anderes Beispiel für eine erfolgreiche (Selbst-)Organisation von Prekarisierten behandelt Luzenir Caixeta in ihrem Artikel zu maiz, dem in Linz lokalisierten Zentrum von und für Migrantinnen, die vielfach in umfassend prekarisierten Dienstleistungssektoren wie der Sexindustrie oder dem Reinigungsgewerbe arbeiten.
Dass die österreichischen Gewerkschaften in diesem Kampf bislang kaum als Verbündete gelten konnten, wird bereits an der eklatanten Unterrepräsentation von MigrantInnen im ÖGB und v.a. in dessen Spitzengremien deutlich, was in vergleichbarer Weise auch für Frauen gilt. Alexandra Weiss führt diesen Umstand in ihrem Text auf den Maskulinismus innerhalb der Gewerkschaftsbewegung zurück und betont die Notwendigkeit einer feministischen Reflexion gerade im Zusammenhang mit Organisierungsfragen.
Abgerundet wird der Heftschwerpunkt schließlich durch zwei Beiträge, die sich spezifisch mit den Arbeitsbedingungen und Organisierungspotenzialen im Bereich der Creative Industries (CI) auseinander setzen: Während Nicole Mayer-Ahuja dieser Frage am konkreten Beispiel der Internetbranche in Deutschland nachgeht, beschäftigen sich Elisabeth Mayerhofer und Monika Mokre auf einer abstrakteren Ebene mit möglichen Modellen des Organizings in den CI.
Bestellungen: Kulturrisse 0406 "Organisierung der Unorganisierbaren"
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