Frauenfrage liefert Stoff für Integrationskonflikte
Das Verhältnis österreichischer 11- bis 18-Jähriger zu jungen MigrantInnen charakterisiert sich durch "geteilte Toleranz" - zu diesem Ergebnis kommt das Institut für Jugendkulturforschung in seiner aktuellen "elf/18-Jugendstudie". Türkische Jugendliche der 2. Generation sind aus Sicht der Befragten in vielerlei Hinsicht anders als österreichische Jugendliche: vor allem in Bezug auf die Bedeutung, die sie der Religion beimessen, in ihrem Geschlechterrollenverständnis, was Familiensinn, aber auch was den Kleidungsstil, Musikgeschmack oder die Ess- und Trinkkultur betrifft. Diese wahrgenommene kulturelle Differenz wird von den Befragten aber nicht automatisch negativ gewertet.
U.a. herrscht in Bezug auf die Religion ein hohes Maß an interkultureller Toleranz: 7 von 10 Jugendlichen meinen, dass türkische Jugendliche der Religion in ihrem Alltag einen anderen, höheren Stellwert geben als österreichische Jugendliche. Jedoch nur rund ein Drittel davon vertritt die Ansicht, dass sich die jungen TürkInnen hier an die weltlich orientierten ÖsterreicherInnen anpassen sollten. Wie die Studie zeigt, endet die interkulturelle Toleranz der österreichischen Jugend allerdings dort, wo es um die Rolle der Frau geht - und zwar unabhängig von Geschlecht oder Parteienpräferenz der Befragten.
"Die Frauenfrage ist aus Sicht der Jugendlichen ein Knackpunkt für Integrationskonflikte", so Studienleiterin Dr. Beate Großegger. "Auch wenn es gesellschaftliche Realität ist, dass Frauen und Männer in vielen Lebensbereichen hierzulande nach wie vor mit zweierlei Maß gemessen werden, sehen österreichische Jugendliche Gleichberechtigung als einen Grundwert und Identitätsmarker westlicher Kulturen an: Zwei Drittel der 15- bis 18-Jährigen meinen, dass türkische Jugendliche der 2. Generation in Bezug auf ihre Einstellung zur Gleichberechtigung der Frauen anders seien, und über 80% davon vertreten die Ansicht, dass sich die 2. Generation, was ihr Rollenverständnis betrifft, in jedem Fall an die Aufnahmegesellschaft anpassen sollte."
Interessantes Detail der Studie: Jugendliche, die Kontakt zu türkischen Jugendlichen haben, nehmen kulturelle Unterschiede insgesamt stärker wahr als jene, die keine türkischen Jugendlichen kennen, und fordern insbesondere, was die Einstellung zu Sexualität betrifft, auch in höherem Maße kulturelle Anpassungsleistungen von der 2. Generation.
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