Sehr geehrte Frau Einzelsockenbesitzerin! Sehr geehrter Herr Einzelsockeninhaber! Wir vom VVG (Verein zur Verzückung von Geruchsnerven) befassen uns nunmehr schon geraume Zeit mit dem bedauernswerten Schicksal von Socken und bitten Sie, nachfolgende Einzelsockensammelaktion wohlwollend zu prüfen. Werden soll es eine Art Gedenkausstellung für den Verlorenen Socken, den wir ja alle zu beklagen haben. Entlang einer Wanderstrecke soll ein einzigartiges Land-Art-Projekt entstehen, bei dem jeder Haushalt aufgerufen ist, seinen künstlerischen Beitrag in Form eines Witwersockens* einzubringen. * Meinung eines Einzelsockenbesitzers: "Ich finde eure Ehret-den-Sock-Aktion einfach glupp soo messlig hjdue dbsndhezr bdhegruf ndgsheiro cmnvdsg!"
Aber schön der Reihe nach: Zur Ausgehsituation: Stumm erträgt der gemeine Sock sein Schicksal, eingezwängt zwischen Sohle und Sohle, unbeachtet und täglich mit Füßen getreten. Ihrer angeborenen Zweisamkeit können die Sockenpärchen nur in der Schublade frönen ein kurzes Glück, denn bald heißt es wieder: Ab in die Schuhe, und zwar getrennt.
Die Zukunft des Sockens ist düster. Allein schon beim Gehen werden die Zwillinge schrittweise voneinander getrennt. Und es kommt der Tag, da findet sich der linke oder rechte Socken zur größten Verstutzung seines Trägers mutterseelenalleine im Sockenfach wieder der Zwilling ist ebenso mysteriös wie spurlos verschwunden oder durchlöchert in den Müll gewandert. Nun wird es nicht mehr lange dauern und der Witwersocken wird seinem verschollenen Partner folgen.
Wo bleibt der Lohn, wo bleibt der Dank? Wir jedenfalls sind sockierenden Missständen auf der Spur! Warum gibt es noch keine EU-weite Norm für den Fersenkrümmungsradius? Vertreibt etwa der Einzelhandel Einzelsocken? Wenn ja, wohin? Warum sind Socken beinah lied- und sprichwortlos (löbliche Ausnahme: "Süßer die Socken nie...). Warum haben Verwandte des Sockens meist Negativimage (wir erinnern: "Ein Loch im Sparstrumpf haben")? Apropos: Uns ist die Übersetzung eines verschollen geglaubten Schüttelreims von Sockrates aus dem Altgriechischen gelungen: "Ich kann mit meinem linken Socken den Sonnenball zum Sinken locken."
Neben diesem Lichtblick öffnet sich ein weiterer im tristen Sockenalltag: Der VVG ruft zur internationalen "Ehret-den-Sock-Einzelsockengedenkausstellung". Gedenken Sie gemeinsam mit uns jener Freunde, die mehr sind als nur Lebensbegleiter Lebensbekleider nämlich und leiten Sie, bitte, dieses mail an Ihnen persönlich bekannte Sockenträger weiter (detaillierte Infos gibts im beigestellten Folder bzw. unter http://www.verruckt.at ). Jedenfalls haben alle frisch gesammelten Einzelsocken eines gemeinsam - einen sicheren Platz im Sockenhimmel!
P.S: Wir üben uns schon jahrzehntelang in der hohen Kunst des Augenzwinkerns. Alles begann 1984 mit der Ausschreibung zur 1. Österreichischen Nonsens Erfindermesse! Als eine Freundesgruppe rund um den Weinhauer Gottfried Umschaid und den Bildhauer Fritz Gall vor staunendem Publikum selbst gebaute unsinnige Erfindungen wie den "Ausrollbaren Zebrastreifen" ausbreitete, wehte erstmals ein Hauch von großer Welt durch das 1000-Seelen-Dorf Herrnbaumgarten. Seit diesem Zeitpunkt macht die Vernunft hier am Rande der Republik Österreich, nahe der tschechischen Grenze, eine kurze Verschnaufpause. Das funktioniert auch nicht viel schlechter. Aber es macht wesentlich mehr Spaß. Mit Getöse vorwärts gestürmt und Eigentor. Immerhin ein Treffer! 1991 kam es eher unabsichtlich zur Gründung des VVG, 1994 zur Eröffnung des weltweit einzigartigen Nonseums und 2001 zur Proklamation der Ortschaft zum "verruckten Dorf". Davor und danach organisierte der umtriebige Kulturverein zahlreiche Ausstellungen wie "Dodamauna Unlimited" (Vogelscheuchen, land art) und originelle Events wie das 24-Stunden Weinbergschneckenrennen oder "Irgenwie Olymia" mit Sonderdiziplinen wie dem Handtuchwerfen für Politiker.
Zum Nonseum: Mit seinen geprüften Nonsens-Klassikern ist das Nonseum der Gigant unter den Sights im verruckten Dorf. Zu sehen sind "Erfindungen, die wir auch nicht brauchen": 347,5 epochale Weltverbesserungen wie der halbautomatische Nasenbohrer konkurrieren mit der historisch einzigartigen Knopflochsammlung, freundlich besonnt vom Schirm für Sonnenanbeter.
"Wir delektieren uns an der wunderbaren Weisheit von Unsinnigem - nur absichtlich halt", so die Vereinsphilosophie. "Es gilt, der Technik etwas entgegenzuhalten, und wenn es nur ein Spiegel ist. Und irgendwie, irgendwann und irgendwo wollen wir mit unseren Aktionen und Objekten auch dem letzten Weltenbürger ein Lächeln entlocken."
VVG (Verein zur Verwertung von Gedankenüberschüssen), Konzept und künstlerische Leitung: Fritz Gall, 2171 Herrnbaumgarten, Friedhofstraße 2a, 0043(0)2555/2737, 0043(0)664/7829050, mailto:info@nonseum.at , http://www.nonseum.at .