Während die Sampling-Praxen von HipHop & Co. längst von den Musikindustrien umarmt werden und in der bildenden Kunst mittlerweile eine Strömung namens Appropriation Art kanonisiert wurde, macht sich an den Universitäten hierzulande wie anderswo eine besondere Art von "Räuber und Gendarm"-Spiel breit: Unter Einsatz von Software-Intelligenz wird zur Jagd auf Plagiate und PlagiatorInnen geblasen: Die Rollen sind in dieser Fragezurichtung so klar verteilt, wie es "Räuber und Gendarm"- oder "Jäger und Wilderer"-Spiele nun mal verlangen - mit ungelehrigen Studierenden als sich an intellektuellen Besitzständen vergreifenden Delinquenten.
Der Ausblendungen gibt es bei all dem, wie die Texte des aktuellen Kulturrisse-Schwerpunkts zeigen, nicht wenige. Sie reichen von Studien- und Betreuungsbedingungen an den Universitäten, die die Ausbildung eines reflektierten Umgangs mit Referenzliteratur nicht gerade begünstigen, bis hin zu diversen Ökonomisierungseffekten und dem daraus resultierenden Druck auf Studierende - Aspekte, denen v.a. Lisa Mayrs Text gewidmet ist.
Julia Hertlein plädiert zudem für eine Rahmenerweiterung der gegenwärtigen Diskussionen und verweist u.a. mit Bourdieu auf die Rolle des "wissenschaftlichen Unbewussten", das für jegliche wissenschaftliche Arbeit vorbedingend und doch keiner Zitation zugänglich ist.
Mimetische Produktivität lässt sich daher umgekehrt aber auch, wie Konrad Becker argumentiert, als Unterwanderung solcher Hierarchien verstehen, wie sie in diversen Aktivismen und Kunstpraxen seit langem erprobt wird. Den strategisch-taktischen Ausformungen dieser Unterwanderung in der bildenden Kunst und darüber hinaus geht schließlich auch Cornelia Sollfranks Text nach - und zwar nicht ohne zugleich ihre längerfristigen Effekte einer kritischen Prüfung zu unterziehen.
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Kulturrisse 0107 "Prekarisierung und Ideenklau"
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