400 Besucher/innen am ersten Tag
"Jetzt muss ich nach 26 Jahren mein zweites Referat halten", stellte Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll lachend fest, als er von "Frau Direktor" (Carmen Jandl, GF der Michelstettner Schule) am Samstag, den 14. April während der Eröffnung der Michelstettner Schule zum Referat gerufen wurde. Kurze Zeit später hieß es für "Schüler Pröll" zur Matura anzutreten - zur Michelstettner Matura. Seine Klassenkolleginnen und -kollegen waren u.a. Ulrike Beimpold und Barbara Stöckl, Landtagspräs. Edmund Freibauer, Mag. Helmut Miernicki (GF ecoplus) und Dr. Reinhold Hohengartner (bm:ukk). Selbst der Obmann des Vereins NÖ Schulmuseum Dir. Otto Steindorfer musste sein Wissen unter Beweis stellen. Trotzdem er in den letzten Jahren 6.000 Stunden freiwillige Arbeit in das Projekt investiert hatte. Nach der Michelstettner Matura und dem damit verbundenen Rundgang durch das neu eröffnete Erlebnismuseum zeigten sich alle begeistert ob der Einzigartigkeit.
Die Eröffnungsfeier der Michelstettner Schule am Samstagvormittag, 14. April, erinnerte viele Gäste an die eigene Schulzeit: Die "Direktorin", Carmen Jandl, trat ans Rednerpult und klärte die anwesenden Gäste, die als Schülerinnen und Schüler angesprochen wurden, über die Schulordnung auf: "Bleibt brav sitzen, es geht gleich weiter. Und hört jetzt auf zu tratschen, sonst trag ich euch ins Klassenbuch ein." Und schlug damit aufs Pult. Als sie anschließend die Anwesenheit der ersten Michelstettner Maturaklasse kontrollierte, meldeten sich alle Ehrengäste aus Politik, Wirtschaft und Kultur ordentlich mit "hier" und hoben die Hand, u.a.: LH Erwin Pröll, Landtagspräs. Edmund Freibauer, Helmut Miernicki, Reinhold Hohengartner, Otto Steindorfer, Heinrich Eberlein (Bürgermeister der Großgemeinde Asparn/Zaya) und Monika Langthaler. Ulrike Beimpold und Barbara Stöckl, deren Schulzeugnisse und Klassenfotos in der Michelstettner Schule ausgestellt sind, wurden wegen unentschuldigtem zu spät Kommen mit strengen Worten abgemahnt. Selbst das konnte der Stimmung keinen Abbruch leisten. Im Gegenteil, außergewöhnlich heiter und beschwingt verlief der weitere Festakt - LH Pröll wagte zwischendurch sogar ein kurzes Tänzchen mit Beimpold.
Weiße Fahne für die erste Michelstettner Maturaklasse
Ungewöhnlich ausgelassen für eine Maturaklasse war auch die Stimmung während der Reifeprüfung. Stöckl ließ sich von Steindorfer Antworten einsagen, Beimpold und Pröll wurden mehrmals verwarnt, weil sie heraus riefen oder von einander abschrieben. Zu Glück aller Maturant/innen ist in der Michelstettner Schule schummeln ausdrücklich erlaubt und wurden keine Betragensnoten vergeben. So schlossen ausnahmslos alle mit "sehr gut" ab und konnten ihr Maturazeugnis gleich mit nach Hause nehmen. "Eine ganz, ganz tolle Idee", betonte Stöckl mehrfach begeistert. "Es ist wirklich einzigartig hier", stimmte Beimpold mit ein. Und gemeinsam "besuchten" sie ihre Schulerinnerungen, Zeugnisse und Klassenfotos, die in der Michelstettner Schule mit denen anderen Ehrenschüler/innen ausgestellt sind. Zu den weiteren Ehrenschülerinnen und Ehrenschülern zählen auch Nikolaus Harnoncourt, Monica Weinzettl, Rainer Schönfelder, Marika Lichter und Alf Poier.
Pröll: Michelstettner Schule gibt Anstoß zum Nachdenken
Die Michelstettner Schule besteche durch ihre Einzigartigkeit und sie stelle ein Beispiel dar, das weit über Niederösterreich hinaus wirke, betonte LH Pröll. Sie sei ein wichtiger Impuls für den sanften Tourismus in der Region. "Die Michelstettner Schule gibt einen Anstoß zum Nachdenken: weil jemand der nachdenkt, denkt vor", erklärte er weiter und eröffnete die Michelstettner Schule mit den Worten: "Ich wünsche der Michelstettner Schule, dass sie jenen Effekt bringt, dass sie vielen die Augen für das Schöne öffne."
Bürgermeister Eberlein sprach vielen der Beteiligten im Eröffnungsreferat aus dem Herzen "eine Vision ist wahr geworden" und hob die Unterstützung der Region hervor. Miernicki, eco plus, unterstrich die Bedeutung des neuen Erlebnismuseums für den Kulturtourismus in Niederösterreich: "Die Michelstettner Schule ist ein Impulsprojekt. Sie geht über das Kirchturmdenken hinaus." Ähnlich sah es auch Hohengartner, der als Vertreterin von Bundesministerin Schmied zur Eröffnung gekommen ist: "Der Michelstettner Schule kommt eine besondere Bedeutung zu, denn sie vermittelt zwischen historischer und moderner Pädagogik." Außerdem müsse Bildung und Kultur stärker zusammen geführt werden.
Steindorfer gab in seinem Erlebnisbericht Einblick darin, wie viele Gespräche, Verhandlungen und Konzeptionsstunden in den drei Jahren vor Baubeginn notwendig waren. Er hob besonders die Unterstützung durch freiwillige Helfer, aus Michelstetten und der Region, aber auch darüber hinaus, hervor. Sie haben über 7.000 Stunden ehrenamtliche Arbeit geleistet, was einem Geldwert von über 200.000 Euro entspräche.
400 Besucher/innen an einem Tag
Wegen des regen Andrangs wurde mit dem Tag der offenen Tür schon vor 13 Uhr begonnen. Während noch die Köpfe der Michelstettner Maturant/innen über der Knochenkunde rauchten, schrieben schon einige Räume weiter die ersten Besucherinnen und Besucher in Kurrentschrift ihren Namen auf die Prüfungsbögen. 400 Besucherinnen und Besucher zählte die Michelstettner Schule am Tag der offnen Tür. Rund ein Viertel davon legte erfolgreich die Michelstettner Matura ab.
"Es gibt bereits viele Anmeldungen für die kommenden Tage und Wochen. Das und die wunderbare Eröffnung stimmen mich zuversichtlich, dass wir unser Ziel von 20.000 bis 25.000 Besucherinnen und Besuchern im Jahr erreichen werden. Michelstetten liegt nur eine Autostunde von Wien entfernt, da werden viele zu einem Tagesausflug zu uns und in die Region kommen", blickt Jandl zuversichtlich auf die Zukunft der Michelstettner Schule.
Erlebnisdramaturgie trifft Schulgeschichte
Die Michelstettner Schule beschreitet neue Wege in der museologischen Vermittlung und setzt auf den interdisziplinären Ansatz der Erlebnisdramaturgie. Die alten Schulobjekte werden in der Michelstettner Schule nicht bloß ausgestellt, sie erwachen vielmehr zum Leben. Die Besucherinnen und Besucher werden Teil der Michelstettner Schule, sie werden für die Dauer ihres Aufenthalts zu "Schüler/innen". Ein besonderes Highlight: Alle Besucher können zur Michelstettner Matura antreten. Auf sie warten ungewöhnliche Prüfungsfächer wie Spiegelschrift und Rechnen mit dem Abacus. Die Michelstettner Schule zeigt neben sechs vollständig eingerichteten Klassenzimmern, in denen die Geschichte einzelner Unterrichtsfächer dargestellt ist, die Entwicklung des Schulwesens von der Antike bis zur Gegenwart. Eine Besonderheit des Erlebnismuseums stellen die mehr als zehn interaktiven Stationen dar: diese rücken den Spaß am Lernen und die Neugierde in den Mittelpunkt.
Bauliche Sanierung und Erweiterung auf 2.000m2
Das NÖ Schulmuseum in Michelstetten wurde 1980 gegründet und zählt mittlerweile zu den Schulmuseen Mitteleuropas mit der umfangreichsten Sammlung. Die Sanierung, räumliche Erweiterung und inhaltliche Neuausrichtung wurde unter anderem vom Land Niederösterreich, ecoplus und dem Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur gefördert. Insgesamt wurden 1,7 Mio. Euro in den Umbau und die inhaltliche Neukonzeption investiert. Während des Umbaus wurden 100t Beton, 85t Estriche und 50t Putze verarbeitet. Die verlegten Kabel erreichen eine Länge von 5km. Baubeginn: 22. Juli 2005, Gesamtfläche: 2.000 m² (inkl. Veranstaltungsraum, Bibliothek, Depot, Büro, Nebenräume), Erlebnisfläche: 800 m² (rollstuhlgerecht)
Info: http://www.michelstettnerschule.at .