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In seiner letzten Rede im Mai 2001 plädierte der Soziologe Pierre Bourdieu dafür, "Wissen in engagiertes Wissen (zu) überführen". War Bourdieu früher der Idee wissenschaftlicher Objektivität verpflichtet, hat der Widerstand gegen neoliberale Umstrukturierungen offenbar nicht nur seine Einstellung zum Wissen, sondern auch das Wissen selbst verändert, vielleicht sogar neues Wissen hervorgebracht. So jedenfalls ließe sich der Titel dieser Ausgabe lesen: Dass Widerstand Wissen generiert. Die Texte dieses Bildpunkt widmen sich also der Frage, ob bzw. wie bestimmte - engagierte, kritische, widerständige - Praktiken Wissen herstellen.
Im machtfreien Raum geschieht das selbstverständlich nicht. Dem wurde im Ansatz der educación popular besonders Rechnung getragen, den Marlen Eizaguirre beschreibt. Ob und wie so etwas wie "alternatives Wissen2 entsteht, haben wir im Gespräch mit Eva Egermann und Charlotte Martinz-Turek diskutiert. Aus ähnlichen Diskussionsprozessen ist vor einigen Jahren auch die Copenhagen Free University hervorgegangen, deren Manifest uns Henriette Heise und Jakob Jakobsen zur Verfügung gestellt haben. Die darin verhandelten Wechselwirkungen zwischen ästhetischen und gesellschaftlichen Verhältnissen sind auch Thema der künstlerischen Arbeit von Zanny Begg.
Aber leben wir eigentlich in einer Wissensgesellschaft? Zwei Beiträge diskutieren dieses zeitdiagnostische Label. Sabine Ammon stellt dabei das besondere Wissen der Kunst heraus und erläutert, warum es bislang weitgehend ignoriert wird. Ignoranz spielt auch bei María do Mar Castro Varela eine wichtige Rolle, und zwar als "die andere Seite des Wissens". Aus der Sicht der postkolonialen Kritik stellt Castro Varela die repressive Funktion von Bildung und Kultur heraus und entwirft dann die politische Perspektive des "Verlernens".
Die Bildstrecke hat Johanna Schaffer mit Studierenden der Kunstuniversität Linz gestaltet. Die Glosse stammt, wie in jedem zweiten Heft, von Vlatka Frketic´. Wie immer prägt auch diesmal die Bezugnahme auf gleichermaßen ästhetische und künstlerische wie auch sozialbewegte Praktiken - wie sie exemplarisch in der Arbeit von Katharina Morawek auf der Rückseite dieser Zeitung zum Ausdruck kommt - den Bildpunkt.
Bildpunkt erscheint vier Mal im Jahr.
Jede Ausgabe widmet sich einem Themenschwerpunkt. Zentral sind dabei ästhetische, aktivistische und theoretische Strategien samt ihrer gegenseitigen Verschränkungen und Überschneidungen.
Redaktion: Eva Dertschei, Jens Kastner (Koordination), Daniela Koweindl, Nora Sternfeld, Carlos Toledo
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