"Keiner soll sich ausgeschlossen fühlen" lautete die Kernbotschaft von Univ. Prof. Dr. Stefan Karner zur NÖ - Landesausstellung 2009 "Im Herzen Europas". Bei der ersten Begleitveranstaltung der WALDVIERTEL AKADEMIE am 17. Oktober in Primmersdorf zum großen bilateralen Ausstellungsprojekt skizzierte Karner grob die vorläufigen Eckpunkte des großen Projektes, das 2009 in Horn , Raabs und Telč über die Bühne gehen wird. Während in Horn die dramatische Geschichte des österreichisch-tschechischen Verhältnisses und in Raabs Religionen, Ideologen und Symbole im Mittelpunkt stehen werden, focusiert sich die Thematik in der Weltkulturerbestadt Telč auf Kunst und Kultur. Im Mittelpunkt des Begleitprogramms, dass die WALDVIERTEL AKADEMIE gemeinsam mit dem Ludwig Boltzmann - Institut für Kriegsfolgenforschung durchführen wird, steht ebenfalls die gemeinsame Geschichte im 20. Jahrhundert.
Als Eröffnungsredner skizzierte Miroslav Kuntat von der Karls-Universität Prag das zwischenstaatliche Verhältnis der beiden nach dem Zusammenbruch der Habsburgermonarchie im Jahr 1918 neu geschaffenen Republiken Österreich und der Tschechoslowakei, das trotz aller Bemühungen zum Großteil von Misstrauen und Eifersucht gekennzeichnet war. Trotz der neuen Staatsgrenze blieben aber viele grenzüberschreitenden menschliche, wirtschaftliche und kulturelle Kontakte zwischen den Bewohnern der Regionen Waldviertel und Mähren aufrecht, wie Zeitzeuge Ignaz Nagl berichtete. Erst der Aufstieg des Nationalsozialismus in Österreich und die Abwehrreaktionen der Tschechoslowakei darauf sorgten auch unter den "einfachen Menschen" für Missgunst. Nach dem Anschluss Österreichs 1938 begann man auf der tschechischen Seite mit den Bau von Bunkeranlagen, wie der damals 16jährige Zeitzeuge Jaroslav Samek aus Telč berichtete. Nachdem die Tschechoslowakei gezwungen wurde, nach dem Münchner Abkommen die größtenteils deutschsprachigen Randgebiete an Hitler-Deutschland abzutreten, ergoss sich ein Flüchtlingsstrom von Tschechien ins Hinterland, erinnerte sich Eva Melmouková, die damals ihre Kindheit in Iglau verbrachte.
Der große Besucheransturm - mehr als 250 Gäste aus Österreich und Tschechien lauschten den Ausführungen der Experten und Zeitzeugen - lässt auch auf großes Interesse für die Ausstellung selber hoffen. Die nächste Veranstaltung des Zyklus findet am 22. November in Horn zum Thema "Okkupation und 2. Weltkrieg" statt.
Nähere Infos und Rückfragen: Kateřina Krejčova, WALDVIERTEL AKADEMIE. 0664/91 33 151