Am Nationalfeiertag, dem 26. Oktober 2007 öffnet das Stadtmuseum Traiskirchen von 9 - 17 Uhr bei freiem Eintritt seine Türen.
An diesem Tag kann in vierzig Themen-Schauräumen lokale und regionale Geschichte erfahren und erinnert werden. Von der original rekonstruierten Ladenzeile zur Bassenawohnung, vom Presshaus zur Gaststube spannt sich der Bogen der Zeugnisse früherer Lebens- und Arbeitsbedingungen im Industrieviertel.
Sonderschau Volksaufstand in Ungarn 1956
Darüber hinaus markiert der Nationalfeiertag auch den Schlusspunkt einer Ausstellung von überregionaler Bedeutung. "Volksaufstand in Ungarn 1956" ist der Titel einer Sonderschau, die die dramatischen Ereignisse im Herbst des Jahres 1956 dokumentiert.
Nach dem Tod Josef Stalins im Februar waren nach und nach die unter seiner Diktatur im sowjetischen Einflussbereich verübten Verbrechen offenkundig geworden. In der Folge wagte eine Allianz aus Studenten und Vertretern der Kirche in Ungarn den Aufstand und bildete im Oktober eine demokratische Regierung unter Imre Nagy. Diese Loslösung von Moskau wurde im November des Jahres von einrückenden Sowjettruppen blutig beendet. Kämpfe und Verfolgungen führten zu einer gigantischen Flüchtlingswelle von 180.000 Menschen, die über die Grenze nach Österreich kamen.
Eines der größten Auffang- und Durchzugslager war die ehemalige k.u.k Kadettenschule Traiskirchen. Sie wurde in diesen Tagen zu einem Zentrum der Hoffnung und humanitärem Brennpunkt.
Die Ausstellung zeichnet - in einer Kooperation mit ungarischen Museen - noch einmal diese dramatischen Monate nach. In Dokumenten und Bildern, aber auch mit den wenigen Habseligkeiten, die die Menschen auf ihrer Flucht in die Freiheit mitnehmen konnten, entsteht ein erschütternder Eindruck des Scheiterns eines Befreiungsversuchs. Gleichzeitig wird auch die überwältigende Bereitschaft der Traiskirchner Bevölkerung, verfolgten Menschen Hilfe zu leisten, lebendig.
Sehr viel friedlicher geht es in zwei anderen Sonderausstellungen in den Räumen der ehemaligen Kammgarnspinnerei zu, die seit fast zwanzig Jahren das Museum beherbergt.
Bauklötze staunen
Vor über 125 Jahren entwickelten die Flugpioniere Gustav und Otto Lilienthal eine patentierte Mischung aus Sand, Kreide und Leinöl, aus der sich stabile Bausteine für Kinder herstellen ließen. Friedrich Adolph Richter, Marketing-Genie und Hersteller zweifelhafter Patentmedizinen, kaufte den Brüdern ihr Patent um eine bescheidene Summe ab. Mit Unterstützung eines gewaltigen Werbefeldzuges eroberten die Baukästen für Häuser, Burgen, Brücken und andere Bauwerke die europäischen Kinderzimmer im Sturm.
30 Jahre nach der vorläufigen Produktionseinstellung in der damaligen DDR wurde die Herstellung der legendären Bausteine 1995 wieder aufgenommen.
Die Ausstellung im Stadtmuseum zeigt eine große Sammlung von historischen Baukästen und beeindruckenden Bauwerken aus Anker-Steinen. Für junge Konstrukteure steht auch ein Tisch mit einer Auswahl an Baumaterial zum Ausprobieren bereit.
"Alles dreht sich, alles bewegt sich"
So lautete viele Jahre lang der Werbeslogan für einen anderen Fixstern im Kinder-Universum, die Matador-Baukästen. Um 1900 erfand der Wiener Landvermesser Johann Korbuly für seine Söhne einen Holzbaukasten. Drei Jahre später erhielt er dafür ein Patent, zehn Jahre danach lief das Geschäft mit dem genial einfachen Lochleisten-Konstruktionsspielzeug bereits auf Hochtouren. Mit zehnjähriger Produktionspause bis heute gebaut, hat das Spiel für kleine - und große - Techniker nichts von seinem Reiz verloren.
Die Traiskirchener Ausstellung bietet neben zahlreichen Schaustücken auf 100 Quadratmetern Fläche dutzende Konstruktionen, die von den Zuschauern auf Tastendruck in Bewegung gesetzt werden können: von der Windmühle über das Hammerwerk bis zum Ringelspiel. Für Matador-Neulinge und Wiedereinsteiger steht eine Spielecke zur Verfügung, in der gehämmert und gebaut werden kann.
Im Rahmen des Tages der offenen Tür findet außerdem ein Museums-Flohmarkt statt, bei dem Exponate aus den Beständen erworben werden können.
Weitere Veranstaltungen des Stadtmuseums Traiskirchen als Vorschau:
Vortrag "Weinkultur der Kelten und Römer" von Dorothea Thalaa
Mittwoch, 31. Oktober 2007 um 18 Uhr im Vortragssaal des Museums
Buchpräsentation "Kochschule - die Bibel der guten Küche" mit Küchenchef Ewald Plachutta
Montag, 5. November 2007 um 18.00 im Stadtmuseum Kammgarnsaal
Vortrag "Vom Dachstein zur Rax: auf den Spuren von Georg Hubmer" von Fritz Lange
Mittwoch, 21. November 2007 um 18.00 im Vortragssaal des Museums
Daten:
Stadtmuseum Traiskirchen, Wolfstraße 18, 2513 Möllersdorf
Geöffnet Sonn-/Feiertags 9 - 12 Uhr oder gegen Voranmeldung 0664/2024 197 (Herr Götz)
http://www.abenteuer-industrie.at .