Idee, Konzept, Projektleitung & Regie: Tina LEISCH
Text: Alma HADZIBEGANOVIC &Tina LEISCH
Co-Regie & Choreographie: Sandra SELIMOVIC
Musik: Eva JANTSCHITSCH
Kostüme: Sandy SEKANINA
Es spielen: Jaqueline, Sammy, Sophia, Fabienne, Rafaela, Julia, Jarett, Justin, Dominik, Djedjo, Big Joe und Joker
Theater- Verantwortliche BeamtInnen: Susanne Schlosstein, Sandra Kaindlbauer & Johann Renner.
Mitveranstalter: Verein "Freundeskreis Schwarzau" und Kultur- und Verschönerungsverein Schwarzau
URAUFFÜHRUNG: 30. 10. 07, Beginn: 19.00 Uhr
Öffentliche Vorstellungen (Anmeldung unbedingt erforderlich!): 7. + 9. 11. 2007 (19.00 Uhr)
SCHLOSS SCHWARZAU, Barocksaal
A-2625 Schwarzau am Steinfeld, Wechselbundesstraße 23 - 24
Eintritt: Euro 15,-- / 10,-- (inklusive Begrüßungsgetränk und Buffet)
Kartenvorbestellung (unbedingt erforderlich) und Mitfahrgelegenheiten bzw Shuttleservice unter: Tel. 0681 / 103 67 851 oder per mailto:medeakarten@gmx.net .
Seit 50 Jahren besteht die Justizanstalt Schwarzau. Aber wie das Jubiläum eines Gefängnisses feiern? 50 Jahre Gefängnis bedeuten schließlich mehr als 5000 Lebensjahre hinter Gittern....
Im Theatersaal der Justizanstalt Schwarzau arbeiten preisgekrönte Künstlerinnen mit Gefangenen an einer Medea-Version, die auf den Lebenserfahrungen der Mitwirkenden beruht. Außergewöhnlich für österreichische Justizanstalten: es dürfen die Insassinnen des Frauengefängnisses Schwarzau mit Insassen der Justizanstalt für männliche Jugendliche Gerasdorf zusammen spielen.
MEDEA BLOSS ZUM TROTZ - Häfntheater mit Gesang und Musik
"Verstehen Sie, warum auf allen Kanälen gepredigt wird: "Skalpiere deinen Nächsten wie dich selbst!"?"
Anhand einer lebendigen, zeitgenössischen Version des Medea-Mythos wird gefragt, warum seit 2400 Jahren VerbrecherInnen auf den Bühnen und Leinwänden und Titelseiten der Zeitungen faszinieren und begeistern, während die realen Medeas eher Abscheu und Befremden auslösen und Kindsmörderinnen z.B. selbst noch im Gefängnis den untersten Platz in der Häftlingshierarchie einnehmen und sogar von manchen Mitgefangenen gemieden werden.
"Sie macht aus ihrem kulturellen Landgut einen Napf für Jasons gierige Höllenhunde."
Medea verliebt sich in den Gangster Jason. Für den Reiz eines abenteuerlichen Outlaw-Lebens verrät sie ihre Zukunftschancen, ihre Herkunft und Familie, ihre "glückliche Kindheit in der Vitrine". Doch Bonnie und Clyde taugen als Role-Model nur bis zur Geburt von Kindern. Ist Medea das Opfer des ungetreuen Jason oder ihrer eigenen Entscheidungen? Wie die eigene Lebensgeschichte rückgängig machen? Wer ist woran schuld und wer ist wem was schuldig?
"Ich hab mir einen Spamfilter gegen meine eigenen Gedanken eingerichtet."
Die Theaterarbeit möchte Fragen aufwerfen, die man als Gefangene/r vielleicht aus Trotz gegen die einsperrende Institution lieber nicht aufkommen lässt, ebenso wie Fragen, die man als vorurteilsbehaftetes Publikum lieber nicht denkt.
Was bringt eine/n ins Gefängnis? Ökonomische Schieflagen oder kulturelle Double binds? Zwangsneurotisch wiederholte Fehlentscheidungen oder ungerechte Gesetze? Oder, nicht zuletzt: das Gefängnis selbst, durch die Häfn-Sozialisation?
"Whow! Superstimme. Die Koloraturen der Callas sind ein Trillerpfeiferl dagegen."
Dabei gehts nicht Therapietheater, sondern um anspruchsvolle Kunst. Wir glauben, dass die künstlerische Zukunft des Theaters darin liegt, als Reflexion- und Vermittlungsinstrument in gesellschaftlichen Krisenzonen zu funktionieren. Die treffende, pointierte und ästhetisch präzise Formulierung einer Frage ist Kunst. Ästhetik ist dabei kein Luxus, sondern der Stein, der die Frage schleift.
Erfreulich, wenn die Arbeit dann auch therapeutische Effekte hat.
Aber heilsam wie ein Musenkuß, nicht wie Hustensaft.
"Weiber. Hier sagt man: Frauen. Mädchen. Damen. Ladies."
Verantwortlich für das Projekt zeichnet das Team, das sich bereits 2006 zur erfolgreichen Erarbeitung des Stückes "Date your destiny" in der Justizanstalt Gerasdorf zusammenfand:
Projektleiterin und Regisseurin ist Nestroypreisträgerin Tina Leisch.
Co-Regisseurin und Choreographin ist die Schauspielerin Sandra Selimovic, geschrieben wurde "Medea bloß zum Trotz" von der "schreiben zwischen den kulturen" - Preisträgerin Alma Hadzibeganovic gemeinsam mit Tina Leisch.
Neu dabei diesmal:
Musikerin Eva Jantschitsch, als "Gustav" (beim Amadeus Austrian Music Award als "FM4 Alternative Act des Jahres" ausgezeichnet) und Kostümbildnerin Sandy Sekanina. Außerdem die Maskenbildnerinnen Monika Labaj, Wiltrud Derschmidt und Elisabeth Vollnhofer. Produktionsassistenz macht Djana Covic, die Fotos stammen von Fabio Peissl.
In der Justizanstalt Schwarzau wird die Theaterarbeit betreut von den BeamtInnen Susanne Schlossstein, Sandra Kaindlbauer und Johann Renner.
"Plädoyer für eine Gleichberechtigung von Göttern und Musen, zumindest was ihre Funktion als KAS (Kaiserliche Arrestschließer) anbetrifft."
Vertreter aller anerkannten Götter und Religionen haben selbstverständlich Zugang zu den Gefängnissen, für Vertreterinnen der Musen und Künste ist das weit schwieriger. Die Theaterproduktion (ebenso wie der gleichzeitig entstehende Dokumentarfilm) möchten Propaganda machen für mehr solche kulturelle Spielräume, wie sie Anstaltsleiter Oberstleutnant Gottfried Neuberger in der Justizanstalt Schwarzau und Anstaltsleiterin Hofrätin Dr. Margitta Essenther in Gerasdorf ihren InsassInnen ermöglichen.
DANK AN DIE FÖRDERERiNNEN DIESES PROJEKTS: die NÖ Landesregierung, Kulturabteilung und Abteilung für Sozialhilfe, BMUKK KUNST, Abteilung für Regionale Kulturinitiativen, und das Frauenministerium
Der gleichzeitig entstehende Dokumentarfilm wird außerdem gefördert von: MA7 Wien Kultur und BMUKK KUNST, Filmabteilung
PRESSEKONTAKT: GAMUEKL - Gabriele Müller-Klomfar, A-1040 Wien; Favoritenstra0e 58/Top 15, Tel. +43-699-1-913 14 11; mailto:office@gamuekl.org .
KULTUR- UND VERSCHÖNERUNGSVEREIN SCHWARZAU
Nähere Informationen unter: http://www.kvs-schwarzau.at .