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Der Titel dieses Heftes lehnt sich an Che Guevaras Fokus-Theorie und die antiimperialistisch gemeinte Aufforderung an, "zwei, drei, viele Vietnam" zu schaffen: Die "1968er Jahre" stehen auch kunsthistorisch für eine radikale und innovative Vielfalt, die bis heute umkämpft ist.
Was das Erbe von 68, das uns wie all unsere Schwerpunktthemen als Überlappung von künstlerischen Produktionen und sozialen Bewegungen interessiert, für heutige Kunstproduktion bedeutet, diskutieren Ines Doujak und Luisa Ziaja: Marsch durch die Institutionen oder Institutionskritik (oder beides - nicht)? Ausgangspunkte sind hier, wie auch bei Lisl Pongers Mittelposter, die konkreten Erfahrungen mit und seit 68. Wie ambivalent auch diese Erfahrungen waren, bringen die Beiträge von Kristina Schulz zum Feminismus und Robert Schindel über den Antisemitismus von 68 zum Ausdruck.
Dass es in Mexiko eine 68er-Bewegung gab, die trotz der brutalen Niederschlagung ihre unschlagbar utopischen Momente hatte, kommt in der Bildstrecke von Heidrun Holzfeind ebenso zum Ausdruck wie die Eingebundenheit von KünstlerInnen in diese Bewegungen und die Repression gegen sie in der Türkei bei Gülsün Karamustafa. Auch Oliver Marchart widmet dem Thema 68 in Mexiko und den Folgen für die Geschichtspolitik. Kunsthistorisch wie soziologisch ungehört sind bislang auch die Stimmen der vielfältigen Bewegungen in Jugoslawien, über die Krunoslav Stojakovic schreibt. Auch entscheidende anti- und postkoloniale Kämpfe, die Hito Steyerl und Jens Kastner in ihren Texten beschreiben, sind in der selbstdarstellerischen Wahrnehmung der Akteurinnen und Akteure häufig untergegangen bzw. verstummt. All diese Beiträge verweisen auf den wesentlichen Zusammenhang von Kunst und Politik, der 68 als Chiffre u. a. so bedeutend macht. Die Glosse zum Schwerpunkt ist (wie in jedem zweiten Heft) von Vlatka Frketic.
Im kulturpolitischen Mittelteil des Heftes ist soziale Absicherung ein Thema: Adi Blum führt in die aktuelle Debatte in der Schweiz ein. Daniela Koweindl berichtet, wie sich die SPÖ bei der Novelle zum Künstlersozialversicherungsfondsgesetz von der ÖVP hat unterkriegen lassen. Was schließlich aus dem seit 2006 geltenden Folgerecht in Österreich geworden ist, erläutert Sebastian Weissenbacher.
Bildpunkt erscheint vier Mal im Jahr.
Jede Ausgabe widmet sich einem Themenschwerpunkt. Zentral sind dabei ästhetische, aktivistische und theoretische Strategien samt ihrer gegenseitigen Verschränkungen und Überschneidungen.
Redaktion: Eva Dertschei, Jens Kastner (Koordination), Daniela Koweindl, Nora Sternfeld, Carlos Toledo
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