Wissen wird produziert, erworben, geteilt, angeeignet, manchmal enteignet, vergessen, reproduziert, erlangt, vermarktet, weitergegeben. Die Wichtigkeit von Wissen und der Möglichkeiten der Wissensproduktion ? verstanden als die Art, wie Wissen generiert und vermittelt beziehungsweise geteilt wird ? wird aus verschiedenen Richtungen hinterfragt und kritisiert. Besonders notwendig ist letzteres nicht nur, aber doch umso mehr durch weltweit zu beobachtende, fortschreitende Elitisierungstrends, welche Wissen und Bildung als Kapitalgüter für eine, wie auch immer als ?exzellent? definierte, kleiner werdende Schicht von Menschen konzipieren, die in der Folge eine bedeutende Rolle in einer neuen Form der kapitalistischen Vergesellschaftung spielen sollen.
Sowohl der Text von Martin Birkner wie auch die neun von Gigi Roggero und Alberto de Nicola verfassten Thesen zum "System Universität - Stadt" beschäftigen sich mit aktuellen Formen eines "kognitiven Kapitalismus". Beide Artikel legen dabei Wert auf die Frage von Peripherie, wie Formen der selbstorganisierten Bildung. Mit alternative Wissensproduktionen befasst sich auch Aileen Derieg in ihrem Beitrag "Alle für alle". Die von ihr beschriebenen Genderchangers und der Eclectic Tech Carnival bieten "women only spaces" zum Transfer und Tausch von technischem Wissen und Softwarekenntnissen. Der Text von Katja Reichard führt die LeserIn zurück in das Berlin der 1960er/70er Jahre, wo das Märkische Viertel ? eines der größten Wohnbauprojekte Nachkriegsdeutschlands ? zum Zentrum aktivistischer und studentischer Umtriebe wurde. Und Nina Höchtl fragt in ihrem Beitrag über die Casa Refugio, einem Zentrum für verfolgte AutorInnen in Mexiko Stadt, wie Denkprozesse in Gang gesetzt werden können, ohne dass sie sich dem vermittelten Wissen automatisch anpassen?
Aus aktuellem Anlass noch einmal ein Hinweis auf die letzte Ausgabe der Kulturrisse "Innere Sicherheit 2.0". Die Sicherheitsdoktrin, ein Thema, das mehr und mehr auch AktivistInnen in Österreich betrifft: Von der sog. "Operation Spring" bis zu den verhafteten TierrechtsaktivistInnen.
Bestellungen: Kulturrisse 0208 "Wissensproduktion und Widerstand"
Einzelpreis: 6,00 - Jahresabo: 22,00 StudentInnenabo: 17,00 (erscheint mind. 4x im Jahr)
Die Ausgabe ist auch in folgenden Buchhandlungen erhältlich:
In Wien: a.punkt, Anna Jeller, Leporello, Lhotzky, Phil, Prachner (MQ), Winter
In Linz: Lentos Shop
In Berlin: b_books, pro qm
Aussender: IG Kultur Österreich, Gumpendorfer Straße 63b, 1060 Wien, Tel 01/503 71 20, Fax 01/503 71 20 ? 15, www.igkultur.at