In Laa an der Thaya endet der Schnellzug aus Wien, unmittelbar dahinter liegt die Grenze zur Tschechischen Republik. Nach den wirtschaftlich schwierigen Jahren während der Zeit des Eisernen Vorhangs und der geographischen Randlage versucht sich die Stadt als wirtschaftlich und touristisch interessanten Standort zu positionieren. Mit der 1989 entdeckten ?Therme Laa? zog der Wellness-Tourismus in der Stadt ein und fand mit dem von ?Stararchitekt? Prof. Wilhelm Holzbauer geplanten Thermenhotel seinen ersten Höhepunkt.
Aber auch das kulturelle Angebot soll erweitert werden. Als erster augenscheinlicher Schritt wurde der prominent in der Sichtachse vom Hotel auf die Stadt stehende Silo von den KünstlerInnen Sonia Leimer und Christian Mayer gestaltet. Ihr Entwurf, der im Zuge eines geladenen Wettbewerbs von der Jury von Kunst im öffentlichen Raum Niederösterreich und der Gemeinde ausgewählt wurde, sieht jedoch keine klassische ?Behübschung? des Silos vor, sondern erzeugt eine rein imaginäre Transformation des Silos und stellt damit Themen, die derzeit für viele Kleinstädte am Land virulent sind, zur Diskussion.
?Museum Laa an der Thaya ? hier entsteht in Kürze das neue Museum für Gegenwartskunst? steht auf dem großflächigen Baunetz, das bereits Ende August auf dem Silo fixiert wurde. Neben der Ankündigung ist der Entwurf für einen Museumsbau zu sehen, der den Silo zum Sockel für einen zeitgenössischen Aufbau und zur Aussichtsplattform umfunktioniert. In den Wochen zwischen der Hängung des Plakats und der offiziellen Eröffnung der Arbeit, in denen der Wahrheitsgehalt des Plakates in der Schwebe gelassen wurde, waren die KünstlerInnen sowie ein Filmteam der FH St. Pölten in Laa an der Thaya unterwegs, um die Reaktionen der Bevölkerung, aber auch der Gäste der Therme zu dokumentieren. Braucht Laa an der Thaya ein Museum? Was wären die Vor- und Nachteile eines Museums für zeitgenössische Kunst für die Stadt? Hat diese Art von Architektur Platz in Laa an der Thaya? Welche Rolle kommt Architektur und Kunst zu wenn es um ?City branding? geht?
Ein Jahr nach der Hängung des Baunetzes wird eine Publikation erscheinen, die die Reaktionen und Diskussionen dokumentiert, aber auch versucht, mit vielfältigen Texten einen Diskursraum zum Potential und der Problematik von Kunst und Architektur als neue Imageträger und Impulsträger für eine regionale Entwicklung zu öffnen. Nach zwei Jahren wird das Baunetz wieder abgehängt. Ob der Silo danach wieder einfach Silo ist, als reguläre Werbefläche oder weiterhin als Spielwiese für künstlerische Tätigkeiten genützt wird, obliegt der Gemeinde.
Kurzbiographie
Sonia Leimer wurde 1977 in Meran geboren, lebt und arbeitet in Wien. Christian Mayer wurde 1976 in Deutschland geboren, lebt und arbeitet in Wien. Beide versuchen, in ihren Arbeiten Fragen nach medialen und kulturellen Repräsentationen von Raum und Zeit mit kultur- und subjektpolitischen Ansprüchen zu verknüpfen. Zuletzt waren Arbeiten von ihnen auf der Manifesta 7 zu sehen.
Kostenloser Shuttle-Bus von Wien nach Laa an der Thaya: ab Wien, Universität, Grillparzerstraße / Ecke Rathauspark, Abfahrt: 15.00 Uhr, Rückfahrt: ca. 19.00 Uhr. Um Anmeldung wird gebeten unter 02742/9005 16273.
Weitere Informationen unter www.publicart.at
Aussender: Höbart Gabi (K1) gabi.hoebart@noel.gv.at