?Kein Mensch kommt diesem Thema aus,? sagt Martha Plössnig. ?Eigentlich sollte man früher anfangen, über den Tod nachzudenken, damit man auch eher mit dieser Tatsache fertig wird.? Das Sterben gehörte im Leben am Dorf dazu. Früher viel unmittelbarer als heute. Martha Plössnig erzählt von vielen Traditionen, die mit dem Tod im Zusammenhang stehen. Mal ernst und mal mit einem gewissen Augenzwinkern.
Wenn der Pfarrer mit den Ministranten zum ?Versehn? ging - also die letzte Ölung brachte - richtete die Bäuerin im Sterbehaus den Verseh-Tisch her. Dann wurde der Tote zu Hause aufgebahrt, während die Verwandten kamen, um sich zu verabschieden. Was heute ein Tabuthema ist, war damals ein sinnlich intensiv wahrnehmbares Erlebnis.
Vom Sterbehaus ging es mit dem Leichenwagen auf den letzten Weg. Begräbnis und Requiem fanden oft nicht am selben Tag statt. Um die Anwesenheit des Verstorbenen während der Messe trotzdem darzustellen, wurden in der Kirche Tumben aufgestellt, Scheinsärge. Dann zog die Trauergemeinde zum gemeinsamen Leichenschmaus ins Wirtshaus.
Doch auch danach beschäftigte der Tod die Menschen noch lange. So musste dem Toten mit Messen und Gebeten in die andere Welt hinübergeholfen werden. Martha Plössnig erzählt von den sozialen Spielregeln rund um einen Sterbefall, wie den Kleidervorschriften. Auch dem Friedhof stattet Martha Plössnig einen Besuch ab. Dort befindet sich ein ganz besonderes Grab: Ein Müller wurde unter seinem alten Mühlstein begraben. Auf dem stimmungsvollen Rundgang durchs Museumsdorf wird Martha Plössnig vom Ensemble ?Fiaxaung? begleitet. Sie singen nicht nur vom Abschied, sondern zeigen in ihren Liedern auch, wie sich die Menschen mit viel Ironie diesem unausweichlichen Thema angenähert haben.
?Tod und andere Abschiede? Themenführung mit Martha Plössnig und dem ?Fiaxaung? Sonntag, 26. Oktober; 14 bis 16 Uhr
Aussender / Infos: Weinviertler Museumsdorf Niedersulz, 2224 Sulz im Weinviertel, Tel 02534/333, Fax 02534/333-20, info@museumsdorf.at , www.museumsdorf.at