TRANSFLAIR: WO IST DIE PROVINZ?
FIKTIONEN & WIRKLICHKEITEN
SLOWENIEN & ÖSTERREICH - DRAGO JANCAR & GERT JONKE
EINTRITT: EUR 8,- / erm. EUR 6,- / Im Anschluss Wein und Büffet
Mitte und Ränder definieren gewöhnlich Positionen, auch in der Kunst. Welche Vorstellungen von Peripherie und Zentrum, und welche Literatur findet sich heute dies- und jenseits von Grenzen, die noch vor kurzem eine andere Welt bedeuteten? Welche Geschichten, Mythen und Parabeln werden erzählt?
Davon lesen, darüber sprechen: Drago Jancar aus Slowenien, dessen historischer Roman Katharina, der Pfau und der Jesuit (2007) auch als ein literarischer Beweis verstanden wurde, dass es die grenzenlose Provinz schon einmal gab; und Gert Jonke, Träger des Großen Österreichischen Staatspreises, der die Anregungen der Literaturgeschichte mit Geschichten von gestern und heute zu neuartiger Tragikomik voller Sprachmusik verbindet und seine vielschichtige dichterische Provinz des Menschen schafft.
DRAGO JANCAR
Der 1948 in Maribor geborene Romancier, Essayist, Erzähler und Dramatiker zählt zu den wichtigsten zeitgenössischen slowenischen Schriftstellern - und er ist der meistübersetzte Autor seines Landes. 1974 wurde er wegen "feindlicher Propaganda" und "publizistischen Ungehorsams" verhaftet. 1993 wurde er mit dem wichtigsten Literaturpreis Sloweniens (France Preseren-Preis) geehrt, 1994 erhielt er den Europäischen Preis für Kurzprosa, 2007 den Jean Améry-Preis für Essayistik, Rauschen im Kopf wurde 1998 als bester slowenischer Roman des Jahres mit dem hochdotierten Kresnik-Preis ausgezeichnet.
Jüngste Publikationen: Der Wandler der Welt. Der Mythos von Dädalus, Berllin Verlag 2007; Katharina, der Pfau und der Jesuit, Folio 2007; Übersetzung: Klaus Detlef Olof
In meiner Jugend war wie bei den alten Griechen der Mythos von der Revolution unauflöslich mit der Wirklichkeit verflochten. Alles war Märchen und alles war Wirklichkeit. Es gab blutige Schwielen und es gab Lyrik. Mein Held Pavel Areh war Künstler und Erfinder, Architekt und Baumeister, ein Wandler der Welt, und wie Dädalus baute er ein Labyrinth.
GERT JONKE
Brillanz und Hintergründigkeit, Stilbesonderheiten, Musikalisierung der Sprache, Bandwurmkomposita und Partizipialkonstruktionen, Weltautorenschaft und Genialität - das ist ein Kurzauszug an Annährungsversuchen, wenn es darum geht, das Werk von Gert Jonke zu charakterisieren. Der 1946 in Klagenfurt geborene Autor lebt in Wien, wurde mit zahlreichen renommierten Preisen ausgezeichnet, zuletzt: Arthur Schnitzler-Preis sowie Nestroy-Theaterpreis 2006. Im selben Jahr kam sein Theaterstück Sanftwut oder Der Ohrenmaschinist auf die Bühne - die Erstaufführung erfolgte in Gebärdensprache. Ebenfalls 2006 erschien Strandkonzert mit Brandung. Georg Friedrich Händel. Anton Webern. Lorenzo da Ponte. (Jung & Jung)
Man ist im Dorf für eine strenge Erziehung. Lieber zu oft die Hosn runter als nie, ist man im Dorf allgemein der Ansicht. Besser einmal zu viel als immer etwas zu wenig.
Aus: Geometrischer Heimatroman, 1969, Neuauflage 2004, Jung & Jung
KLAUS ZEYRINGER
Lebt in Angers (F) und Wien, Professor an der Université Catholique de l'Ouest, Kritiker für Standard, Volltext, Literatur und Kritik. Zudem Experte für Fußball und Karl Valentin. Bücher, zuletzt: Österreichische Literatur seit 1945 (2001); Ehrenrunden im Salon. Kultur - Literatur - Betrieb. Essay (2007).
Beginn: 20 Uhr. Ort: Unabhängiges Literaturhaus NÖ, Steiner Landstraße 3, 3504 Krems / Stein. Tel 02732/72 884. www.ulnoe.at
Aussender: Wolfgang Kühn, dummail@gmx.at