Ein grauer Novembermorgen in Bruck, einer fiktiven Kleinstadt im Osten Österreichs. Der Klarinettist Roland Kronleithner leidet wie seine Kollegen am Stadttheater von Bruck, wo eben eine Orchesterprobe im Gange ist, wie etwa der versoffene Flötist Pototschnig oder der schrullige Trompeter Oberkogler, unter dem Regiment des ebenso tyrannischen wie inkompetenten Kapellmeisters Egidius Kleinbauer. Da wird er von seinem Pultnachbarn, dem exzentrischen Fagottisten Ludwig Rabensteiner zu einem an sich harmlosen Streich angestiftet, der im Verlauf des Tages aber katastrophale Folgen zeitigt...
Soweit der Klappentext. Bereits beim ersten Durchblättern merkt man, dass es sich nicht um eine der verstaubten Altherrenanekdötchen, wie sie sonst den Großteil der belletristischen Literatur über Musik und Musiker ausmachen, handelt. Da hat offenbar ein Insider mal ausgepackt, ordentlich vom Leder gezogen und eine Parade von deftig-schrillen Witzfiguren geradezu Deixscher Prägung aufmarschieren lassen. Absurde Situationskomik, skurrile Dialoge, eine flotte Handlung, die an Kottan, Mundl Sackbauer oder auch an Pulp Fiction erinnert ? natürlich auch an Karl Valentins legendäre Orchesterprobe - und nicht zuletzt der beißende Humor, der ab und an auch mal unter die Gürtellinie zielt, machen das Buch zu einem außerordentlichen Lesevergnügen. Darüber hinaus werden auch noch so manche Skurrilitäten des österreichischen Musiklebens, insbesondere die Nöte der Kulturschaffenden in der Provinz, aufs Korn genommen, vom täglichen Wahnsinn des Theaterbetriebs über die Blasmusik und die Popbranche bis hin zur Avantgarde bekommt so ziemlich jeder sein Fett ab. Einziger Schwachpunkt: Nach 70 Seiten ist der Spaß auch schon wieder vorbei.
Vierthaler, Viktor
Ein Morgen, ein Mittag, ein Abend in Bruck
Aus dem Leben eines Orchestermusikers. Eine Novelle
Verlag: Resistenz, ISBN: 978-3-85285-176-1
Aussender: Robert Brunnlechner, Vierthalergasse 20/6, 1120 Wien, robert.brunnlechner@chello.at