Eröffnung: 21. Februar 2009, 14 Uhr
Die 1951 in Melbourne geborene Jenny Watson gehört zu den bekanntesten Künstlerinnen Australiens. Sie studierte Kunst an der National Gallery of Victoria Art School in Melbourne. In Watson Bilderwelt finden sich leise Momentaufnahmen des täglichen Lebens wieder, keine ausladenden Gebärden, kein plakativer Symbolismus. Im ersten Augenblick mag ihre Malerei etwas Naives an sich haben: Kleine Mädchen im Paillettenkleid, mit Fahrrad oder Puppenwagen; Pferde mit in die Mähne geflochtenen Schleifchen; orangefarbene Katzen. Doch eine mysteriöse, innere Spannung in den Bildern nimmt die Betrachter gefangen und lässt sie die dargestellten Dinge hinterfragen. Watsons Arbeiten, die oftmals an Kinderzeichnungen erinnern und ganz bewusst eine gewisse Infantilität provozieren, haben in der Fachwelt schon oft zu Kontroversen geführt. In den vergangenen Jahren beschäftigte sich die Australierin in ihrer dem Realismus verpflichteten Malerei inhaltlich mit Fantasiewelten, mit Figuren wie Cinderella und Alice im Wunderland. Und gerade in diesen Bilderzyklen zeigt sich Watsons feministischer Ansatz ganz deutlich: ihre engagierte Kunst befasst sich explizit mit Themen der weiblichen Identität. Immer wieder greift Watson auf subtile Art und Weise die Tatsache der Vormachtstellung der Männer in der Kunstwelt an und thematisiert in diesem Zusammenhang Gewalt, Brutalität und Chauvinismus, Dinge, die in unserer heutigen Gesellschaft zum Alltag gehören.
Die europäische Vorstellung von australischer Kunst reicht ? von einigen international bekannten Stars der Kunstszene wie Tracy Moffat oder Lawrence Carroll abgesehen ? kaum über die klischeehafte Kenntnis von Aboriginal Art hinaus. Auf dem fünften Kontinent existiert jedoch eine äußerst vitale und innovative Kunstszene. Jenny Watson gehört zur Gruppe der figurativ arbeitenden Künstlerschaft. Das besondere an ihren Arbeiten ist die Kombination von Malerei, Text und Objekt, sowie das Zusammenspiel von Humor, bissiger Ironie und schlichtem, aber einprägsamem Sujet. Mit einfachsten Bestandteilen ? ungrundierte Stoffe als Trägermaterial, malerisch rudimentär belassene Figuren und handgeschriebene textliche Fragmente ? kreiert Watson in ihren Bildern komplexe Geschichten, die einerseits einen feministischen und sozialkritischen Anspruch erheben, andererseits immer auch tagebuchähnlich vertrauliche Einblicke zulassen und als selbstreferenziell interpretierbar sind.
Watsons künstlerischer Wirkungskreis reicht weit über den australischen Kontinent hinaus: seit den frühen 1970er-Jahren erhielt sie auf zahlreiche Auszeichnungen und Preise und hat unzählige Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen in Europa, den USA und Asien. Mittlerweile sind ihre Arbeiten weltweit in etwa 30 öffentlichen Sammlungen vertreten. 1993 repräsentierte Watson Australien auf der Biennale in Venedig, seit 2002 hat sie eine Professur für Malerei am Queensland College of Art, Griffith University inne. Heute lebt sie in der Nähe von Brisbane. Mit Jenny Watson verbringt nach Aimee Fairman (2008) die zweite Künstlerin aus Australien als Stipendiatin von AIR artist-in-residence Krems einen Arbeitsaufenthalt in Niederösterreich. Der Großteil der Arbeiten, die in der Ausstellung zu sehen sind, wurde von der Künstlerin vor Ort geschaffen.
Ausstellungsort: Factory der Kunsthalle Krems, Steiner Landstraße 3, 3500 Krems
Tel 02732/90 80 10-256, factory@kunsthalle.at
Kurator: Hartwig Knack
Öffnungszeiten: täglich 10 bis 18 Uhr
Aussender / Rückfragehinweis:
Pia Kruckenhauser, Tel 02732/90 80 10-172, pia.kruckenhauser@kunsthalle.at