ZWEI PERFORMATIVE AUFTRAGSWERKE HABEN BEIM DONAUFESTIVAL 09 AM KOMMENDEN MITTWOCH (22.4.) PREMIERE
Dass der große schwarze Kontinent künstlerisch weitaus mehr zu bieten hat als die berühmte Ethnokunst, die in Form von Masken und Fetischobjekten gerne mal die Wohnsalons von Oberstudienräten und Bankern schmückt, ist ja in den letzten Jahrzehnten eindrücklich bewiesen worden. Leider schlägt sich das nur allzu selten auch in der Programmplanung europäischer wie US-amerikanischer Festivals und Kulturinstitutionen für zeitgenössische Kunstformen nieder! Afrika hat ? gerade in aufgeklärten Kreisen jenseits rechter Denkprägung ? noch immer das Image des armen Kontinents, dem ja, und hier spielt das schlechte Gewissen angesichts der historischen Ausbeutungsereignisse eine große Rolle, geholfen werden muss. Mit SLUM-TV möchte das donaufestival nicht nur eine massive Plattform für afrikanische Kunstformen jenseits eines mehr oder weniger angepassten Mainstream schaffen, sondern auch die Gedankenmodelle verwirren: Afrika hilft Europa!
In Form einer durchaus zynisch angelegten Menschenausstellung, die im linksliberalen europäischen Gutmenschen sofort schauerhafte Assoziationen an die kolonialistischen Völkerschauen, die Hagenbecks Zoo am Anfang des 20. Jahrhunderts in Hamburg betriebt, hervorruft, leben und arbeiten die KünstlerInnen und AktivistInnen von SLUM-TV am Festivalgelände in Krems. Aus diesem Diorama entwachsen die performativen Interaktionen, die nicht nur die gängigen afrikanischen Repräsentations-Strukturen aufbrechen, sondern auch unser Bild und unsere Herangehensweise an Afrika gehörig ins Wanken bringen werden. Täglich breitet der Fake-Slum seine großen Arme freundlich für uns aus und nimmt uns auf in eine Welt, die mit allen Reizen des postkolonialistischen Exotismus besticht, aber in Wirklichkeit ein Ort ist, an dem Gesellschaft verhandelt wird. An den sieben Festivaltagen verwandelt sich jeweils um 18 Uhr der Slum in ein Kino, das nicht nur die teils schon legendären filmischen Produkte des ?etwas anderen Fernsehsenders? präsentiert, sondern auch die neusten Produkte, die in und um Krems in Interaktion mit der Bevölkerung entstanden sein werden, zeigt. Am 1. Mai wird dann Österreichs Solidarität beim großen Maiaufmarsch in der Praxis überprüft und ein hochkarätiges Symposion zu Aspekten und Konzepten von ?Venture Communism? und ?Collective Ownership? veranstaltet. Aktionen jeglicher Form in öffentlichen wie medialen Räumen sind immer und überall möglich. Hier wird uns geholfen!
SLUM-TV
22/04 ? 02/05/09 | ab 18.00 | Messegelände & www.slum-tv.info
Interaktive Performance
Auftragswerk, Uraufführung
Konzept: Alexander Nikolic & Sam Hopkins
Mitwirkende: SLUM-TV Members, BewohnerInnen aus Mathare, Lukas Pusch, Dymitry Kleiner, Jaume Nualart, Mira Turba, Lena Nalbach, Biki Kangwana u.v.a.
Eine ganz andere Art von Hilfe bietet die BORN TO SIT COMPANY mit der Uraufführung von Fritz Ostermayers ?TORTENSTÜCK? am ersten Wochenende des donaufestival 09 an. Auf Einladung von Sigrid Gareis und dem Tanzquartier Wien zog der geniale Grenzgänger Fritz Ostermayer aus, um den Tanz, die Performance und den Rest der Welt zu retten. Um sich scharte er eine Theatertruppe, die keine ist und sich Band nennt und postulierte ?Choreographie muss Leben retten!? während sich am Videoscreen die freiwillige Feuerwehr Schattendorf zu einer choreographischen Spende von Chris Haring auf einen Einsatz vorbereitete. Ostermayers Kommentar zum Geschehen bestand in einer simplen wie eindrücklichen Frage: ?Hat Pina Bausch je ein Leben gerettet??
Artaudsche Abgründigkeit gepaart mit anarchischer Komik war schon beim mehr als geglückten Erstversuch der ?genialen Theater- Diletanten? mit ?Rettet die Mäuse oder Conducting Kafka While Whistling Against Interpretation? etwas wie ein Markenzeichen der neuen Truppe geworden. Logisch nur, dass das Thema Slapstick einen höchst lustvollen intellektuellen und ästhetischen Überbau bei ihrem neuen Streich ?DAS TORTENSTÜCK, ODER KLEBSTOFF IST DER SPRENGSTOFF DES KLEINEN MANNES? verpasst bekommt. Das Scheitern des Menschen als Maschine, Echos, Doppelgänger, Zwillinge, Franz Fuchs, Klebstoff und jede Menge Tortenschleudern. Ein Fest für wahre Theaterliebhaber, ein Hochamt für Theaterhasser!
The Born-To-Sit-Company
Das Tortenstück Oder: Klebstoff ist der Sprengstoff des kleinen Mannes
22/04 ? 24/04/09 | 19.00 | Stadtsaal
Uraufführung/Auftragswerk
Tanz-, Sing- und Rührstück von Fritz Ostermayer; Performed By The Born-To-Sit-Company
The Born-To-Sit-Company: Christoph Grissemann: Performer; Alfred Schefberger: Performer; Melita Jurisic: Performerin; Fritz Ostermayer: Performer, Buch, Regie; Anja Plaschg: Performerin; Oliver Welter: Performer; Sabina Holzer: Performerin; Sabile Rasiti: Performerin; Hans Schabus: Performer, Katapultkonstruktion; fishy: Performer; Peter Hörmanseder: Bild-Technik und Video-Produktion; Roman Streuselberger: Lichtdesign und ?technik; Karin Brüll: Kostüme; Chris Haring: Choreographie-Spende; Nicole Six & Paul Petritsch: Video-Spende; das Schaufenster: Produktionsleitung
Eine Koproduktion von The Born-To-Sit-Company und dem donaufestival 09
Das donaufestival startet am 22.4. 2009 in Krems an der Donau. www.donaufestival.at
Aussender: Mag. Barbara Pluch, Presse/Öffentlichkeitsarbeit, www.donaufestival.at , www.klangraum.at , www.glattundverkehrt.at , Tel 02732/90 80 30 322, Mobil 0664/60 499 322, Fax 02732/90 80 30 31, NÖ Festival-Ges.m.b.H., Minoritenplatz 4, 3500 Krems-Stein/ Donau