Seit 9. Mai ist im Museum für Urgeschichte die Sonderausstellung ?Hallstatt ? Wiege der Eisenzeit? zu sehen. Damit beginnt ein mehrjähriger, inhaltlicher Schwerpunkt zur frühen Eisenzeit im Museum für Urgeschichte. In Zusammenarbeit mit dem Naturhistorischen Museum Wien zeigt die Schau eine in dieser Form einmalige Zusammenstellung an Funden aus den Forschungsgrabungen im Hallstätter Bergwerk und dem berühmten Hallstätter Gräberfeld, die einzigartige Blicke in ein Leben vor mehr als 2.500 Jahren erlauben. 7.000 Jahre Salzabbau in Hallstatt.
Bereits in der Jungsteinzeit scheint Salz aus Hallstatt begehrt gewesen zu sein. Vor gut 2.500 Jahren war die Blütezeit der Salzgewinnung in den Bergwerken. Die Leute erkannten zu jener Zeit den Wert des Salzes und nutzten ihn. Lebensmittel wurden für eine längere Haltbarkeit getrocknet, geröstet, geräuchert und eingepökelt. Für die Vorratshaltung war dies unumgänglich. Weil das Salz jedoch nicht überall verfügbar war, wurde es schon sehr früh zu einem teuren Handelsgut und die Drahtzieher des Salzabbaues wurden unvorstellbar reich.
Begraben neben tausenden
Den Reichtum, den ihnen das weiße Gold bescherte, sieht man heute an den Grabbeigaben. Das Hallstätter Gräberfeld ist eines der wichtigsten prähistorischen Gräberfelder Europas. Es ist nicht nur wegen des Reichtums in den Gräbern, sondern auch wegen seiner Größe einer der bedeutendsten Friedhöfe Europas. Das Gräberfeld war ausschlaggebend für die Benennung einer gesamten Epoche nach dem Fundort. Bereits im 19. Jahrhundert wurden mehr als 1.000 Gräber ausgegraben, mittlerweile sind es mehr als 2.000. Das weltberühmte Gräberfeld ist nicht alltägliche Archäologie, außergewöhnlich reiche Grabbeigaben kamen bei den Ausgrabungen zum Vorschein. Die Ausstattung der Gräber war unterschiedlich. Schmuckgegenstände aus Bernstein, wie etwa Perlenketten und Ringe kamen zum Vorschein, ebenso Dolchmesser mit Gold überzogener Scheide und vergoldetem Griff, das mit hoher Wahrscheinlichkeit Vertretern höher stehender Schichten zugeordnet wird. Exklusive Materialien, wie Gold, Bernstein, Glas oder Elfenbein, zählen zu den eher selten verwendeten und daher kostbaren Werkstoffen dieser Kultur.
Verborgene Schätze im Salz
Das reiche Gräberfeld ist eines der beiden Sensationsfunde in Hallstatt. Im Salzbergwerk kamen verborgene Schätze, die das Salz bis heute konserviert, zum Vorschein. ?Hallstatt ist einer der bedeutenden Fundorte der Eisenzeit in Europa. Erfreulich ist für uns, dass Originalfunde hier gezeigt werden können?, so der wissenschaftliche Leiter des Museums für Urgeschichte Dr. Ernst Lauermann. Hölzer, Felle, Gewebereste, Exkremente und Speisereste - die unter normalen Bedingungen längst verwest wären - sind durch die konservierende Wirkung des Salzes im Hallstätter Bergwerk erhalten geblieben und geben Aufschluss über die Arbeit im Salzbergwerk von Hallstatt.
Neben Moor und Eis ist Salz jene Form der Konservierung, die auch Vergängliches jahrtausende erhält. Von der Lebenswelt vergangener Epochen sind normalerweise lediglich Objekte erhalten, die aus unvergänglichen Materialien bestehen, wie Stein, Keramik, Metall, Knochen und Geweihe. Aus den Salzbergwerk stammen hingegen Dinge, die vergänglich sind, Mützen von Bergleuten und Tragsäcke. Fünf Tragsäcke sind bis heute gefunden. Diese werden auch in der Ausstellung im Original zu sehen sein. Im 18. Jahrhundert gab das Salz auch einen Mann frei. Er war vollständig konserviert. Ähnlich wie Ötzi, der jedoch eine Eisleiche ist. Die Schuhe und teilweise auch die Kleidung des Mannes soll erhalten gewesen sein. Die Menschen im 18. Jahrhundert begruben ihn allerdings. Archäologen gehen aufgrund der Aufzeichnungen davon aus, dass es sich um einen Mann aus der Älteren Eisenzeit (9.-4. Jh. v. Chr.) handelte. Diese Salzleiche hätte eine Menge neuer Erkenntnisse liefern können.
Auch wenn durch die Funde im Bergwerk und im Gräberfeld von Hallstatt sehr viele Einblicke gewonnen werden konnten, so ist die Eisenzeit nach wie vor eine geheimnisvolle Zeit, die der Wissenschaft bis heute Rätsel aufgibt. In den kommenden Jahren werden Erklärungsansätze zur Lebensweise dieser Leitkultur im Museum für Urgeschichte versucht. Urgeschichte zum Mitmachen und Begreifen für die ganze Familie. Das Museum für Urgeschichte hat sich durch die Kombination von Dauerausstellung samt Freigelände, Sonderausstellungen, Events und Workshops zur lebendigen Archäologie zu einem österreichweit einzigartigen Ausflugsziel entwickelt.
Veranstaltungen im Museum für Urgeschichte 2009:
16. und 17. Mai: Keltenfest (9-17 Uhr)
29. und 30. August: Hunnenfest (9-17 Uhr)
17. Oktober: Nacht der keltischen Feuer (17-22 Uhr)
Dauer der Ausstellung: bis 30.11.2009, Öffnungszeiten: täglich von 9-17 Uhr
Aussender: MMag. Renate Heger, Tel 02577/841 80-281; renate.heger@urgeschichte.com, NÖ Museum für Urgeschichte, Dr. Franz Hampl-Platz 1, 2151 Asparn an der Zaya, www.urgeschichte.com