Neue Ausgabe der SPURENSUCHE, 18. Jg., H. 1-4:
Hinter den Mauern des Vergessens. Erinnerungskulturen und Gedenkprojekte in Österreich
Beiträge unter anderen von: Brigitte Bailer, Heidemarie Uhl, Eva Blimlinger, Bernhard Denkinger, Robert Streibel, Hannah Landsmann, Christian Angerer, Heimo Halbrainer, Nadja Danglmaier, Christian Gmeiner, Gregor Kremser, Gerhard Pazderka, Klaus Kienesberger, Wolfgang Quatember, Ulli Fuchs et al. Siehe: www.vhs.or.at/40/
252 Seiten, illustriert, ISBN 978-3-902167-12-5
Preis: 15,5 Euro (exkl. Versandspesen)
Bestellungen: office@vhs-archiv.at , Tel 01/25 91 862, Fax 01/25 91 862-15
Auszug aus dem EDITORIAL
Christian H. Stifter/Robert Streibel
Muss Erinnerung an brutale Inhumanität, menschliche Gräueltaten und vergangenes Leid Schmerz auslösen, um nachhaltig zu wirken wie der sprichwörtliche ?Pfahl im Fleische", oder soll erinnerndes Gedenken primär an nüchterne Reflexion geknüpft sein, um so die komplexen zeithistorischen Zusammenhänge zu erschließen? Zweifellos eine schwierige Frage, sowohl hinsichtlich der darin enthaltenen moralisch-ethischen Implikationen als auch hinsichtlich der Aufgabe einer adäquaten Vermittlung zeithistorischer Forschungsergebnisse an eine breitere Öffentlichkeit. [...] Da sich Geschichte immer aus der Gegenwart heraus konstituiert, ist dieser Dialog, zumal die Zeitzeugen und Zeitzeuginnen des ?Zivilisationsbruchs Auschwitz" (Dan Diner) allmählich aussterben, immer wieder mit neuen Fragen zu führen. ?Die Farben der Deportation" lautete der Titel eines Projektes der Volkshochschule Hietzing im Jahr 2008, in dessen Rahmen den Spuren der einstigen jüdischen Bewohner und Bewohnerinnen im Wiener Gemeindebezirk Hietzing, ihrer Vertreibung sowie ihrer Ermordung in den Konzentrationslagern nachgegangen wurde. Die Ergebnisse dieses Projektes bildeten sodann den Ausgangspunkt für eine Bestandsaufnahme österreichischer Gedenk- und Erinnerungsprojekte im Jahr 2008. Da die Spurensuche nach den Hietzinger NS-Opfern weit über die Grenzen Österreichs hinaus führte, finden sich auch Beiträge zur aktuellen Gedenk- und Erinnerungsprojekten an den einstigen Orten der Vernichtung. Auf [...] rund 250 Seiten wird ein in der breiteren Öffentlichkeit nur wenig bekanntes Spektrum zivilgesellschaftlicher Initiativen und Projekte vorgestellt, die zum Teil seit Jahren und oft unbedankt mit viel Engagement und persönlichem Einsatz Erinnerungsarbeit und damit politisch-zeithistorische Bildung leisten. Dass sich in Österreich der Umgang mit der NS-Vergangenheit erst vergleichsweise spät von den identitätstabilisierenden Nachkriegsmythen auf Basis der ?Opfer- und Pflichterfüllungsthese" löste, dürfte mittlerweile hinlänglich bekannt sein. Dass die offiziöse Geschichts- und Vergangenheitspolitik ab Anfang der 1990er Jahre die ?dunklen Stunden" (Thomas Klestil) und die ?bösen [...] Seiten" (Franz Vranitzky) der österreichischen Zeitgeschichte endlich aus der kollektiven Verdrängung riss, und die Rolle Österreichs am ?Zustandekommen und Funktionieren des Nationalsozialismus" (Gerhard Botz) erstmals ins Zentrum wissenschaftlicher Forschungsarbeiten rückte, kann aber nicht darüber hinweg täuschen, dass auch heute immer wieder neue Mauern des Vergessens errichtet werden. Eine besondere Rolle und Funktion im Bereich des Erinnerns an die Verbrechen des Nationalsozialismus kommt dabei der Politik zu. Wie es um die Einstellung österreichischer Politiker und Politikerinnen im Hinblick auf Erinnerungs- und Gedenkkultur bestellt ist, wird hier erstmals empirisch auf Basis einer repräsentativen Umfrage analysiert.
Aussender: Mag. Christian H. Stifter, ÖSTERREICHISCHES VOLKSHOCHSCHULARCHIV, 1210 Wien, Kürschnergasse 9, Tel 01/25 91 862 ? 12, Fax 01/25 91 862 ? 15, office@vhs-archiv.at , www.vhs.or.at , www.adulteducation.at , Die Wiener Volkshochschulen GmbH