"Moderne Kunst", schrieb Brian O'Doherty einst in seinem zum Klassiker gewordenen Galerie-Aufsatz In der weißen Zelle, "bedarf zu ihrer Legitimation des Verkehrslärms draußen." Die Stadt sei der unverzichtbare Kontext der Galerie. Und einer Vielzahl künstlerischer Arbeiten und ihrer Wertschätzung. Der Lärm der Straße gibt zugleich das unbedingte Rauschen hegemonialer Verschiebungen ab, in das sich die Kunstflüsterer_innen aller Länder mit ihrem Abschätzen und Urteilen wieder einspeisen. Kunstorte sind local players in den Städten, die Städte sind umkämpfte Räume.
Kaum etwas symbolisiert städtische Kämpfe so wie Barrikaden. Revoltenkonstruktionen und selbstgebaute Hindernisse, die in sozialen Auseinandersetzungen wie dem Pariser Mai '68 vor allem als Verweissysteme auf andere Barrikaden - die der Pariser Commune 1871 - fungiert haben. Städte sind Akteure und Schauplätze von Standortkonkurrenz gleichermaßen. Sie dienen als Ausgangs- wie auch als Angriffspunkte kultureller, auch künstlerischer Produktionen. Wie die Stadt mit ihrer jeweiligen "städtischen Eigenlogik" (Martina Löw) von Kunst, Aktivismus und Theorie aus integriert oder bekämpft, aufgegriffen, abgestoßen und auf anderes bezogen werden kann, darum dreht sich diese Ausgabe des Bildpunkt. Und weil es bei Strategien urbaner Interventionen nicht um die Verbreiterung von Bürgersteigen geht, sondern um das Symbolische im Sinne Pierre Bourdieus, also um Denk-, Wahrnehmungs- und Gefühlsschemata, sprechen wir von symbolischen Barrikaden als Ziel und Ausdruck von Kämpfen - und deren Verweisen.
Wie immer verknüpft das Bildpunkt-Thema Motive und Motivationen sozialer Bewegungen und mit solchen künstlerischer Positionen.
:: Inhalt des aktuellen Bildpunkt ::
:: Annika Mattissek :: Städte als Gegenstände und Schauplätze hegemonialer Kämpfe
:: Boris Michel :: Städtische Gouvernementalität
:: Symbolische Barrikaden im Gespräch :: . Kontrolle und Mobilitätskanäle unterbrechen. Mit Anette Baldauf und Maja Lorbek.
:: Vlatka Frketic :: Mein Einkaufszentrum
:: Imke Schmincke :: Marginalisierte Körper in der neoliberalen Stadt
:: Joaquín Barriendos Rodríguez :: Kunst im Stadtraum und die Politisierung der imaginarios urbanos in lateinamerikanischen Großstädten
:: Olaf Kaltmeier :: Kolonialität und Kommodifizierung im Zentrum. Kulturerbe und urbane Erneuerung in Lateinamerika
:: Jens Kastner :: Symbolische Barrikaden im Buch
:: Poster :: Fred Forest
:: Rückseite :: permanent breakfast
:: Bildstrecke :: Community Museum Project Hongkong
:: Assata Kangju :: 1. Mai 2009 - ein neues Datum für die Linzer Stadtgeschichte!
:: Clemens Christl :: Workfare - oder die Zurichtung der Einzelnen auf die Erfordernisse des Marktes
:: Bildpunkt erscheint vier Mal im Jahr. Jede Ausgabe widmet sich einem Themenschwerpunkt. Zentral sind dabei ästhetische, aktivistische und theoretische Strategien samt ihrer gegenseitigen Verschränkungen und Überschneidungen.
:: Redaktion: Eva Dertschei, Jens Kastner (Koordination), Daniela Koweindl, Nora Sternfeld, Carlos Toledo
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