Dienstag, 20. und Mittwoch, 21. Oktober, 19.30 Uhr
Kleine Freiheit (Yüksel Yavuz, Deutschland, 2003, 100 min)
Im Hamburger Stadtteil St. Pauli arbeitet der junge Kurde Baran als Laufbursche für einen Imbiss. Eigentlich hätte er an seinem 16. Geburtstag abgeschoben werden sollen, weil sein Asylantrag abgelehnt wurde, aber es ist ihm gerade noch rechtzeitig gelungen in die Illegalität abzutauchen. In seinem Viertel trifft er den blondierten Schwarzafrikaner Chernor, der ebenfalls illegal in Deutschland lebt und seinen Unterhalt mit Dealen verdient. Eine Zeit lang gestaltet sich die Freundschaft zwischen den beiden unkompliziert, doch dann taucht ein älterer Kurde auf, und Baran glaubt, in ihm jenen Verräter wieder zu erkennen, den er für den Tod seiner Eltern verantwortlich macht.
Eindringlich wird geschildert, wie der kulturelle Konflikt sich in die neue Heimat der Beteiligten überträgt, wie Baran umzugehen versucht mit Rachedurst und fremder Schuld. Die Flucht in die Vergangenheit mag aber auch noch einen anderen Grund haben als die zurück liegenden Konflikte: Für Baran erscheint es nur konsequent, seine Gedanken um Vergangenes kreisen zu lassen, weil ihm die Gegenwart kaum Möglichkeit zur Entfaltung bietet.
Der Regisseur Yüksel Yavuz, 1964 in der Türkei geboren und seit 1980 in Deutschland lebend, setzt sich in seinem zweiten Spielfilm ?Kleine Freiheit? erneut mit den Problemen von Migranten/innen in Deutschland auseinander. Der subtilen Schilderung der Beziehungen und Konflikte im multikulturellen Milieu merkt man die intime Kenntnis des Hamburger Kiezes an, in der Yavuz selbst lebt. Seine besten Szenen entfaltet der Film, wenn er in semi-dokumentarischem Stil die Annäherung und das Spannungsverhältnis zwischen den beiden Protagonisten schildert, für deren Darstellung der Regisseur zwei überzeugende Laienschauspieler aus Hamburg gefunden hat.
Dienstag, 27. und Mittwoch, 28. Oktober, 19.30 Uhr
O'Horten (Bent Hamer, Norwegen, 2007, 91 min)
Ein Zug rollt sanft durchs tief verschneite Norwegen. Der 67-jährige Odd Horten, ein Muster an Zuverlässigkeit und Solidarität, sitzt ganz vorne in der Fahrerkabine und strahlt Zufriedenheit aus. Doch mit seinem bisherigen Leben soll jetzt Schluss sein, denn der alleinstehende Lokführer geht in Rente.
Allerdings beginnt sein neues Leben abrupter als erwartet, denn ausgerechnet auf seiner letzten Dienstfahrt verschläft er nach 40 Jahren das erste Mal und stolpert nun von einem Abenteuer ins nächste. Eine Klingel, die nicht funktioniert, ein Baugerüst, das er hinaufklettert, und ein Kind, das ihn als Sandmännchen in die Pflicht nimmt, stellen nur den Anfang dar. Später wird er z.B. von einem lesbischen Pärchen beim Nacktbaden im Schwimmbad überrascht werden und auf roten Stöckelschuhen flüchten oder in einem Tabakladen mit der Endlichkeit des Seins Bekanntschaft machen.
Wie in ?Kitchen Stories? wirft Bent Hamer auch in ?O'Horten? einen liebevoll-verschmitzten Blick auf seine Landsleute und erzählt eine Geschichte, die voll leiser Melancholie, skurrilem Humor und grimmigem Stoizismus steckt. Dabei findet er großartige Bilder voller Absurdität, die den Film auch zu einem Panoptikum seltsamer Gestalten machen. Es gelingt dem Regisseur, in einem eigenen Universum den Zuschauer für eine unscheinbare Figur zu interessieren, wobei das Porträt des wortkargen Horten durchaus einen poetischen Ansatz zeigt. All das und die ergreifenden Musik von John Erik Kaada machen ?O'Horten? zu einem herzerwärmenden Film ohne Pathos und Kitsch.
Um Reservierung wird gebeten!
Ort: Café ?Zum Kuckuck?, Linzerstraße 1, 3300 Amstetten
Eintritt: ? 6,- für Erwachsene, ? 3,- für Schüler
Homepage: www.kuckuck.at, Reservierung: Tel 07472/61 456
Aussender: Verein SüdFILMfest, Eggersdorferstraße 59, 3300 Amstetten
ZVR 437049224, www.suedfilmfest.at , Gerhard Steinkellner: Obmann