Inhalt: Der junge Schriftsteller Katurian findet sich in einem Verhör wieder: Was man ihm vorwirft, wird er nicht müde zu beteuern, wisse er nicht. Auf dem Tisch des vernehmenden Offiziers Tupolski stapeln sich seine Kurzgeschichten. Es sind in der Umgebung drei Kindermorde nach dem Vorbild dieser Gruselgeschichten passiert. Niemand, außer dem Schriftsteller Katurian und seinem geistig zurückgebliebenen Bruder Michal kennt diese Geschichten. Katurian wird von den Beamten Tupolski und Ariel, nach der klassischen Methode ?good cop ? bad cop? verhört. Er ist über den Verdacht entsetzt, leugnet jegliche Mittäterschaft und Verantwortung für seine Phantasien. In Panik gerät Katurian, als er hört, dass im Nebenzimmer sein zurückgebliebener Bruder Michal verhört, ja vielleicht sogar gefoltert wird und angeblich gestanden hat. Tupolski spielt den brutalen Folterer, als wäre er ein alter ego des Kissenmanns. Jener Märchenfigur aus Katurians Geschichte, die Kinder zu einem gnädigen Unfalltod begleitet, um sie vor einem schweren Leben, das im Selbstmord enden wird, zu bewahren.
Ein raffiniert geschriebener Psychothriller voller Grausamkeiten, der durch komische Verhördialoge Gelächter auslöst und mit grotesk überzeichneten Familienszenen über schlimmste Kindesmisshandlungen informiert. Diese Geisterbahnfahrt erschreckt mit realem Psychoterror und irritiert mit gepflegter Boulevardkomödie. Der Autor will auf infame Weise die Zuschauer ständig zum Lachen bringen, über oder zumindest inmitten all dieser Grausamkeiten.
Autor und Stück:
Martin McDonagh überrascht mit ?Der Kissenmann? gleichermaßen strukturell wie thematisch. Sein Kriminalstück ist exzellent gebaut und in jeder Situation voller Überraschungen und wandelt zwischen den Zeiten, legt Fährten, Fallen und Köder. Er schildert in grotesker Überspitzung eine durchwegs gewalttätige Welt und verknüpft sie mit der Debatte um die Gewalt in den Medien. Mit grimmigem Humor wird ein düsteres Schauspiel über die Kraft des Geschichtenerzählens, inspiriert von Franz Kafka, David Lynch und Quentin Tarantino, entworfen. Das krude, grausame und makaber-witzige Stück ist ein Beitrag zu der Frage, wie weit Literatur gehen darf. Die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Fiktion zerfließen.
Die deutschsprachige Erstaufführung fand am 20. November 2003 im Burgtheater in Wien und gleichzeitig im Deutschen Theater in Berlin statt. 2004 gewann es den Laurence Olivier Award für das beste neue Stück. Die Broadway-Inszenierung wurde mit dem Drama Critics Circle Award und mehreren anderen Preisen ausgezeichnet.
Inszenierung:
Durch eine eigenwillige Raumaufteilung wird das Publikum ganz nah ans Geschehen gerückt. So wird es Teil des Spiels ohne die angestammte Position des Zusehens zu verlassen. Ein Stück, das sowohl Regie und Darsteller als auch die Zuseher ständig manipuliert. Das Stück greift die physische und psychologische Gewalt von und an Kindern auf und beleuchtet den dunklen Grund des Märchens.
Besetzung: Katurian - Philipp Limbach / Michael (sein Bruder) - Andreas Hajdusic / Tupolski (Polizist) - Markus Lampl / Ariel (Polizist) - Martin Kerschbaum / Ein Mädchen - Anne-Sophie König / Stimme der Mutter - Christine Thompson / Inszenierung - Christian Pfeiffer / Raumgestaltung - Werner Wurm / Lichtgestaltung - Martin Kerschbaum / Technik - Bettina Kreuch, Julia Müllebner, Robert Haas / Fotos - Teresa Wohlmann-Kreuch
Premiere: Sa 6. März, 20.00 Uhr, weitere Termine: Fr 12., 19., 26. März, 9. April, Sa 13., 20., 27. März, 10. April, 20.00 Uhr, So 14. u. 21. März, 11. April, 18.00 Uhr, Ort: Theaterstadl Bahnstraße 201, 2042 Guntersdorf, Info / Karten: Tel 02951/29 09, www.tww.at
Aussender: TWW Theater westliches Weinviertel, www.tww.at