Ethnographisches und Theatrales aus dem "ausgeblendeten" Zentrum Europas. Und eine wunderbar literarische Erkundung zum "Jahr der Armut". Zwei skurrile Lebensgeschichten aus der Vojvodina von Ottó Tolnai / Deutsch von György Buda und Géza Deréky
Die Biographie eines Mannes und einer Frau irgendwo zwischen Salzsteppe und Tiefebene, dort wo des westeuropäischen Bürgers Geographie endet und die Mythenbildung beginnt. Die beiden Desperados dekonstruieren die ihnen zugedachten Lebensentwürfe derart konsequent, dass schallendes Gelächter ebensowenig ausbleibt, wie zutiefst berührende Wehmut. Denn schließlich ist doch jeder als Kind irgendwie an den Zaun genagelt worden und hat als Erwachsene/r eine skurrile Sammelleidenschaft entwickelt, um nicht verrückt zu werden.
Wie die Frau, die als Gastarbeiterin in Deutschland beim Spargelstechen und Weinlesen begann Maulwurfsbrillanten zu sammeln und nun von Kartons und Styropor aus ihrer Behausung gedrängt wird. In einem Kleid aus Orangenseiden gibt sie sich zum aufpeitschenden Geigenklang der letzten Paarung mit den brennenden Johanniskäferchen hin.
?Ich kann aus allem eine Geschichte machen. Aus jedem Scheiß. Aus allem. Außer aus meinem Leben,? behauptet der Hirte in der Dorfschenke und schwadroniert von der Gewehrkugel, die seit dem Krieg in ihm umherwandert und von seiner Suche nach dem Mösenmoos, um langsam und gemütlich bis zum Ende dahinzumümmeln.
Beide verbindet die Batschka, ein Landstrich der serbischen Vojvodina. Ein Stück, derb und poetisch, nach dem Buch ?Ich kritzelte das Akazienwäldchen in mein Heft?.
Schauspiel: Katharina Grabher, Andreas Kosek
Live-Musik: András Fekete (Geige)
Inszenierung und Bearbeitung: Andreas Kosek
Regieassistenz: Maria Steinberger
Aussender: teatro caprile, Pausingergasse 2a/3, 1140 Wien, Tel 0676/92 69 691, teatro.caprile@aon.at , www.teatro.caprile.at.tf, Katharina Grabher, katharina.grabher@aon.at