Christian Futscher featuring Georgi Gospodinov
ORT: Atelier Top 25 Dachgeschoß ULNÖ
BEGINN: 20 Uhr
EINTRITT: EUR 5,-
KARTEN: 0664/432 79 73 bzw. www.ulnoe.at
Kein Wunder, dass zwei vom literarischen Schlage eines Christian Futscher und eines Georgi Gospodinov gut miteinander auskommen, sozusagen aufeinandertreffen, wie ein Pfeil ins Auge trifft...
Christian Futscher korrespondiert mit seiner radikalen Lyrik, seinen satirisch und grotesk angelegten Prosastücken perfekt mit dem Schreibansatz von Georgi Gospodinov. 2008 mit dem Dresdner Lyrikpreis ausgezeichnet, gilt Futschers jüngster Gedichtband Die Blumen des Blutes als kompromißloser Aufreger: "... abstoßend und anziehend zugleich. Wie bei einem Horrorfilm, bei dem die Spannung kaum mehr zu ertragen ist und man trotzdem hinschaut." (ORF)
Liebespärchen
So manches Liebespärchen
Fühlt sich wie im Märchen
Wenn die Küsse schmatzen
Und die Säfte fließen
Bis dann der böse Christian kommt
Mit seinem Hackebeilchen
Und das Liebespärchen
Nicht mehr im Glück schwimmt
Sondern im Blut ertrinkt
Im Prosaband Pfeil im Auge (2008 Czernin Verlag) geht es nicht viel weniger schmerzhaft zu, wenn ein Mann durch Venedig im Herbst streift und auf ein Ausstellungsplakat stößt, das einen Mann mit Pfeil im Auge zeigt, worauf der Flaneur selbst beginnt, derartige Bilder zu malen.
Georgi Gospodinov / Bulgarien
Für sein Lyrik-Debüt Lapidarium (1992) erhielt Gospodinov den nationalen Preis für die beste Erstveröffentlichung, Der Kirschbaum eines Volkes, 1996 in deutschsprachier Übersetzung erschienen, wurde ebenfalls mit einem Preis ausgezeichnet.
Den internationalen Durchbruch erreichte der Autor mit seinem ersten Roman Estestven ro¬ man (1999), bei Droschl 2007 unter dem Titel Natürlicher Roman erschienen. Das Buch wurde in Bulgarien sechs Mal aufgelegt und in zehn Sprachen übersetzt. Der Roman folgt postmodernen Gliederungsprinzipien und bezieht sich auf Erzähltechniken von Borges und Pessoa. Die Rezension nimmt den Titel uneingeschränkt begeistert auf: "Ein anarchisches experimentelles Debüt", urteilte der New Yorker. "Georgi Gospodinovs Natürlicher Roman ist wie ein Zauberwürfel - ein Buch mit vielen bunt leuchtenden, durcheinandergewürfelten Facetten, die zu einem harmonischen Ganzen zusammenzufügen unmöglich scheint. Und doch fließt am Ende ganz leicht alles ineinander und geht perfekt auf." (WDR) "Das Buch ist raffiniert, verspielt, abgründig - und souverän übersetzt ist es auch. Und man bemerkt erst auf den zweiten Blick, welche Schrecken es bereithält." (Saarländischer Rundfunk)
Georgi Gospodinovs schriftstellerische Arbeit ist ausgesprochen vielseitig - Kurzgeschichten, Bühnenwerke und Drehbuch zählen ebenfalls dazu. 2006 gab er As siviach sozialisma: 171 litschni istorii (Ich habe im Sozialismus gelebt. 171 persönliche Geschichten) heraus - das Ergebnis eines zweijährigen Internet-Projektes, bei dem die Erfahrungen von Menschen aus der Zeit des Sozialismus gesammelt wurden, gefolgt von Inventarna kniga na sozialisma (Inventurliste des Sozialismus; zusammen mit Yana Genova) - einem Katalog bulgarischer Alltagsgegenstände aus der Zeit zwischen 1956 und 1989.
Gospodinov gilt als interessantester Lyriker Bulgariens. Bei Droschl erschien 2010 der Gedichtband Kleines morgendliches Verbrechen.
Gott ist rot
vollendet und prall
Gott ist eine Tomate
Darin ist nichts Beleidigendes
für beide.
In einem sprühenden Doppel aus Lesung und Gespräch stellt Christian Futscher Georgi Gospodinov vor - man/frau darf sich auf etliches an rotblumigen Verbrechen gefasst machen!
Veranstalter: ULNÖ Unabhängiges Literaturhaus NÖ, Steiner Landstraße 3, 3504 Krems-Stein, www.ulnoe.at
Aussender: Wolfgang Kühn, dummail@gmx.at , www.ulnoe.at