Eine neugeborene Venus der anderen Art zeigt uns Anne Schneider ab 16. April 2011 in jener Vitrine, die errichtet wurde, um dem Publikum die steinzeitliche Venus von Willendorf im Jubiläumsjahr 2008 an ihrer Fundstelle in der Wachau zu präsentieren. Wie aus einer anderen Welt in unsere geschlüpft, offenbart und entzieht sie sich uns zugleich. Geschützt durch die transparente Hülle ihres neuen Zuhauses vermittelt ihre starke Körperlichkeit Stabilität, die weich anmutende Oberfläche lässt aber auch Verletzlichkeit vermuten. Gerade aus ihrer textilen Gussform ins Leben gestülpt, in eine neue Umgebung geboren, bringt Anne Schneiders Venus keine Schublade mit, in die man sie oder sie sich selbst stecken könnte.
Unbeschrieben, unausgeformt, doch ausgezeichnet mit menschlichen Anlagen wie Falten, Wölbungen oder Narben, ist sie ein verheißungsvolles Versprechen, bisherige Vorstellungen von weiblicher Schönheit, Fruchtbarkeit und gesellschaftlichen Rollen hinter sich lassen zu können und damit ebenso ein Ideal.
Die aus gefärbtem Beton gegossene Skulptur trägt die Spuren ihres "Geburtsprozesses" zur Schau und damit die ihr innewohnende Ambivalenz zwischen Erscheinungsbild und tatsächlichem Wesen. Den haptischen Eindruck von softsculptures vermittelnd, verfügt sie über die starke Oberflächenspannung des Materials, aus dem Wohnkomplexe entstehen. Ließe sie sich berühren, könnte man es erfahren - aber das lässt sie nicht zu, der Raum den sie einnimmt, gehört alleine ihr, zumindest für die kommenden Monate.
Anne Schneiders "Geburt der Venus" steht nach Karin Franks Gestaltung von 2011 am Beginn einer skulpturalen Serie, die die Außenraumvitrine in Willendorf mit jährlich wechselnden künstlerischen Positionen rund um die Themen Fruchtbarkeitssymbolik, Schönheitsideal und Geschlechterrollen bespielt und als Teil der Sammlung des NÖ Landesmuseums fortgesetzt wird.
Anne Schneider / Kurzbiografie
Geboren 1965 in Enns (OÖ); 1992-1996 Studium an der Akademie der bildenden Künste Wien, Meisterschülerin von Michelangelo Pistoletto; lebt und arbeitet in Wien. Einzelausstellungen (Auswahl): 2011 "Wax, New Sensibility in Contemporary Sculpture", Kunstforeningen GL Strand, Kopenhagen; Museum Villa Roth, Burgrieden-Rot, Baden-Württemberg; 2010 "Die edlen Früchte und die Gouvernante", Harmannsorf, Niederösterreich; 2009 Revolver, COCO, Wien; 2008 "Nichts ohne den Körper", Lentos Kunstmuseum Linz; "In deiner Gegenwart", Dortmunder Kunstverein; 2006 "...und Wachs!", Galerie Christine König Wien; 2004 "born to be a star", Künstlerhaus Wien; 2003 "ceaseles blur", TAV Gallery, Taipeh.
Eine Veranstaltung von Kunst im öffentlichen Raum Niederösterreich in Zusammenarbeit mit Wachau 2010plus.
Weitere Informationen unter www.publicart.at
Aussender: Amt der Niederösterreichischen Landesregierung, Abt. Kultur + Wissenschaft, Landhausplatz 1, A-3109 St. Pölten, Kontaktperson: Martina Zadrazil, Tel 02742/9005 13504, Fax 02742/9005 13910, martina.zadrazil@noel.gv.at