Die wehrhaften Mauern der Vorburg des malerischen Renaissance-Schlosses Rogendorf in Pöggstall beherbergen das Museum für Rechtsgeschichte. Da die Ausstellung seit der Eröffnung im Jahr 1988 unverändert gezeigt wurde, bedurfte es einer Neubearbeitung. Für die inhaltliche Überarbeitung und als Kuratorin konnte Frau Dr. Elisabeth Vavra, Leiterin des Instituts für Realienkunde in Krems, gewonnen werden. Die architektonische Neugestaltung wurde von Frau Dr. Doris Prenn konzipiert und durchgeführt. Das Museum wird am 14. Mai 2011 durch Landeshauptmann-Stellvertreter Mag. Wolfgang Sobotka in Vertretung von Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll neu eröffnet.
Die gezeigten Bestände kamen 1950 als Vermächtnis des Sammlers DDr. Hans Liebl, der in einer 40jährigen Sammlertätigkeit eine der bekanntesten rechtshistorischen Sammlungen angelegt hatte, in den Besitz des Landesmuseum Niederösterreich. Bereits 1918 machte er sie ? noch in der ersten Heimstätte des Landesmuseum Niederösterreich, im Palais Caprara-Geymüller in der Wallnerstraße 8 ? der Öffentlichkeit zugänglich. Nach der Übersiedlung des Museums in die Herrengasse wurde die 1940 eröffnete Liebl-Sammlung 1951 neu aufgestellt, um dann aus inhaltlichen wie Platzgründen 1967 nach Schloss Greillenstein und schließlich 1988 nach Pöggstall übersiedelt zu werden. Das Schloss in Pöggstall, das sich seit 1478 im Besitz der Rogendorfer befand, bietet einen geeigneten Rahmen für eine rechtsgeschichtliche Sammlung, verfügt es doch über eine vollständig eingerichtete Folterkammer, die einzige originale im süddeutschen Raum.
Die Ausstellung belegt das breite Spektrum der Rechtspflege und des Strafrechtes. Der Schwerpunkt der Ausstellung fällt in die Zeit vor den durchgreifenden Reformen des Jahres 1848. Die Sammeltätigkeit Liebls konzentrierte sich auf den niederösterreichischen Raum, hier liegt auch der Schwerpunkt der gezeigten Objekte. Wenn erforderlich, griff er aber auch über diesen Raum hinaus und ergänzte seine Sammlung um notwendige Materialien. Es gelang ihm nahezu alle maßgeblichen Rechtsbücher seiner Sammlung einzuverleiben, etwa eine Niederschrift der ?Goldenen Bulle? Karls IV. oder ein Panthaidingbuch des Marktes Gars aus dem Jahr 1403 oder die ?Handfeste und Rechte der Stadt Wien? aus dem Jahr 1436. Daneben gibt es die im 15. und 16. Jahrhundert erstmals im Druck erscheinenden Rechtsbücher, die dem Laien den Ablauf der Rechtsprechung verständlich machen sollten, ebenso wie die gültigen ?Halsgerichtsordnungen? bis zu den in der Neuzeit publizierten Gesetzestexten, die das Strafrecht regelten.
Die beim ersten Hinsehen vielleicht etwas trocken erscheinende Materie wird durch die breite Platte der ?Rechtsaltertümer? ergänzt und bereichert. Weniger spektakuläre Vergehen wurden in der Vergangenheit mit Schandstrafen belegt: der Gang zum Pranger mit dem ?Bagstein? in der Hand, das Stehen am Pranger für einige Stunden mit einer Schandtafel um den Hals oder mit einer Schandmaske, eingespannt in einer ?Fiedel? oder im Block. Man kann sich lebhaft vorstellen, wie sich zänkische Ehepaare oder streitsüchtige Frauen fühlten, die so dem Gespött der Vorbeigehenden preisgegeben waren, oder der Bäcker, der als Strafe für minderwertiges oder zu leichtes Brot mit dem ?Bäckerschupfen? bestraft wurde. Ebenso findet sich in den neu eingerichteten Schauräumen des Museums die notwendigen Instrumentarien für die Blutgerichtsbarkeit: für die ?Peinliche Befragung?, um das für den Strafprozess notwendige Geständnis zu erzielen, genauso wie für die Hinrichtung. Für Gänsehaut und Gruseln sorgen Daumenschrauben, Mundbirnen oder Richtschwerter der Henker, die mit einem Schlag den Kopf des Delinquenten abzutrennen hatten ? ein ?Kunststück?, das nicht immer gelang. Zur Sammlung gehören auch Objekte, die auf die dunkle Zeit der Hexenverfolgung verweisen, die auch in Niederösterreich ihre Opfer forderte.
Abgerundet wird die Schau durch ?Presseberichte? aus der Vergangenheit: Die in den Straßen Wiens verkauften ?Urthel? ? gedruckten Todesurteile mit Auszügen aus Verhandlung und Prozessakten ? und die Moritatenblätter über reale und fiktive Verbrechen und Verbrecher waren der Renner im Geschäft mit der Schlagzeile.
Kuratorin: Dr. Elisabeth Vavra
Ausstellungsgestaltung: prenn_punkt, buero für kommunikation und gestaltung
Kontakt: Marktgemeinde Pöggstall, Gemeindeamt, 3650 Pöggstall, Tel 02758/23 83, Fax 02758/31 40, gemeinde@poeggstall.at , Museumskasse: Tel 02758/33 10, www.poeggstall.at
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 9 bis 12 Uhr und 13 bis 17 Uhr, Kassaschluß: 16.30 Uhr, Montag (außer Feiertag) geschlossen
Aussender / Presserückfragen: Mag. Alexandre Tischer, alex.tischer@noel.gv.at , Tel 02742/9005-13006