Sie stehen auf allen Bühnen der Welt und treten mit den berühmtesten Musikern auf. Sie fachsimpeln über die Vorteile verschiedener Flugzeugtypen auf Langstrecken und wissen über die kulinarischen Finessen von Seoul bis San Francisco bestens Bescheid. Auf Konzerte in Österreich freuen sie sich besonders: Am 22. Juni 2011 sind die Wiener Sängerknaben im Atrium des Minoritenklosters in Tulln zu erleben.
Es ist wie in Hogwarts: Dort gibt es vier Häuser, bei den Wiener Sängerknaben vier Chöre. Gerald Wirth, künstlerischer Leiter der Sängerschmiede, teilt jeden Knaben einem der Chöre zu, die Bruckner, Haydn, Mozart und Schubert heißen. Das Reisen, die gemeinsamen Konzerte, die täglichen Proben schweißen die Buben zusammen.
Die Wiener Sängerknaben sind der älteste Knabenchor der Welt, der keiner Kirche angehört. Und wohl der mobilste. Bereits für die Kapelle des Kaisers Maximilian I. (1459–1519) gehörte das Reisen zum Leben. Die Musikanten begleiteten ihren Herrn überallhin. Heute sind die Knaben in aller Welt gern gesehene Gäste – jedes Jahr führen Tourneen in die USA, nach Korea, China und Taiwan. Dazu kommen Reisen nach Deutschland, England, Italien und Spanien, nach Südamerika und Australien.
Nach Tulln kommt der Haydnchor. Die Buben, die in diesem Jahr schon nach Korea und in die USA gereist sind, stammen aus Wien, Niederösterreich, der Steiermark und Salzburg, aus Deutschland, Frankreich, Ungarn, Japan, Singapur und gar aus dem fernen Australien. Für die sieben Niederösterreicher im Chor ist es ein Heimspiel. „Es ist richtig schön, einmal zu Hause zu singen“, meint Stefan.
Kapellmeister Kerem Sezen hat sich ein buntes Programm ausgedacht: „Wir singen Werke von der Renaissance bis zu Michael Jackson.“ Ebenfalls im Gepäck: Werke von Bach, Palestrina und Bruckner sowie Auszüge aus dem berühmten Stabat mater von Pergolesi. Wolfram Wagners „Mr Double Bass“ ist den Sängerknaben buchstäblich auf den Leib geschrieben. Sohn Dominik, 13, Altist im Chor, spielt bei diesem Stück das Kontrabass-Solo. Das Programm wird abgerundet von Schubert, Brahms und natürlich Johann Strauss.
Regisseur Curt Faudon hat das Phänomen Sängerknaben in zwei Filmen beleuchtet. Der Grazer Filmemacher mit Wohnsitz in New York City berichtet in „Silk Road“ über ein Projekt mit Musik von der Seidenstraße. Sein Film „Bridging the Gap“ erscheint in diesem Sommer.
Am erstaunlichsten finden die Knaben, dass ihre Musik unabhängig von politischen Grenzen, Religionen und Sprachen verstanden und geliebt wird. „Wenn man Konzerte singt, sieht man das Land nicht wie ein Tourist“, findet Felix, der seit vier Jahren dem Traditionschor angehört. Neben einer fundierten musikalischen und schulischen Ausbildung lernt ein Sängerknabe auch Praktisches. „Sie können alle in Windeseile Koffer packen“, weiß Internatsleiter Peter Oberndorfer zu berichten. Was beweist: Reisen bildet nicht nur, es macht auch unerhört selbständig.
Konzert der Wiener Sängerknaben
Mi, 22. Juni 2011, 20 Uhr (Einlass ab 19 Uhr), Minoritenkloster Tulln (Atrium)
Karten: Abendkasse: EUR 18,- / Vorverkauf: EUR 16,- im Kartenbüro Tulln (Hauptplatz 20) und im Bürgerservice der Stadt Tulln (Minoritenplatz 1)
Aussender / Rückfragen: Mag. Christian Resch, Kulturamt, Stadtamt Tulln a. d. Donau, Minoritenplatz 1, 3430 Tulln, Tel 02272/690-122, christian.resch@tulln.gv.at , www.tulln.at , www.wsk.at