Vom 7. Juli bis zum 17. Juli 2011 findet im idyllischen Weinort Retz nun bereits zum 7. Mal das Festival „Offene Grenzen“ statt. Standen in den vergangenen Jahren Aufführungen von Opernraritäten des 17. und 18. Jahrhunderts im Mittelpunkt des Programms, so kehrt das Festival Retz in diesem Sommer musikalisch zu seinen Anfangsjahren zurück und widmet sich erneut einer herausragenden Komposition der Klassischen Moderne: Am 7. Juli feiert Benjamin Brittens Parable for Church Performance „The Burning Fiery Furnace - Die Jünglinge im Feuerofen“ in szenischer Aufführung Premiere in der St. Stephanskirche in Retz. Britten und sein Librettist William Plomer greifen in ihrer Kirchenoper die alttestamentarischen Berichte über das 2. Babylonische Exil auf und stellen die Themen Vertreibung, Exil, Integration und kulturelle Identität in den Mittelpunkt der Handlung.
Ausgehend vom Sujet der Kirchenoper steht das diesjährige Literaturprogramm unter der Überschrift „Meine Heimat heißt Babylon“. Das ehemals auf die Situation der Nachbarländer Österreich und Tschechien fokussierte Motto des Festival Retz „Offene Grenzen“ wird vor dem Hintergrund der allgemeinen Diskussion „Österreich - Unsere Gesellschaft als Einwanderungsland“ um diesen gesellschaftspolitischen Aspekt erweitert, um so den Trennlinien unserer unmittelbaren Lebenswelt nachzuspüren. So werden zum diesjährigen Festival ausnahmslos Autoren mit Migrationshintergrund eingeladen, die allesamt in deutscher Sprache schreiben und veröffentlichen.
Im Mittelpunkt des Festivals steht auch 2011 die Aufführung einer musikalischen Rarität: In der Kirchenoper „The Burning Fiery Furnace - Die Jünglinge im Feuerofen“, die zu den herausragenden Kompositionen der Klassischen Moderne zählt, entwickelt Benjamin Britten - anknüpfend an die Tradition geistlicher Mysterienspiele - Melodien, die zwischen Gregorianik und asiatischen Klangwelten oszillieren. Der kraftvolle Vokalstil kulminiert in expressiven und spannungsgeladenen Chören, wobei die zarte und transparente Orchesterführung den Eindruck des artifiziellen Raffinements deutlich unterstreicht. Die 1966 entstandene Oper erzählt die Geschichte dreier jugendlicher Helden am babylonischen Hof, die sich durch die konsequente Beachtung des mosaischen Gebotes angreifbar machen. Selbst im Angesicht des nahen Todes beweisen die drei Jünglinge ihre Standhaftigkeit. In den Berichten des Alten Testaments, die dem Mysterienspiel als Vorlage dienen, stand gleich zweimal eine Übermacht Babylonier vor den Toren Jerusalems, um den Israeliten den Vasallenstatus bzw. ein Leben im Exil aufzuzwingen. In dieser Zeit der Bedrängnis musste der eigene Glaube vehement verteidigt werden, nicht zuletzt, um die eigene Identität zu wahren. Diese Not setzt Benjamin Britten in seinem Werk in berührende Musik, indem er homophone, durch Umspielungen ornamentierte Melodielinien komponiert. Der dramaturgische Stoff der Oper zeigt deutlich, wie präsent in der puritanischen Religiosität Englands Themen und Stoffe aus der Bibel waren und sind.
Für die Aufführung beim Festival Retz zeichnen, wie in den vergangenen Jahren auch, der Dirigent Andreas Schüller und Regisseurin Monika Steiner verantwortlich. Mit Günter Haumer (Der Herold) und Stephen Chaundy (Nebukadnezar) konnten abermals jene Protagonisten gewonnen werden, die schon mehrfach beim Festival Retz mit hervorragenden Leistungen glänzten. Neu im Ensemble sind der Tenor Alexander Pinderak (Misael), der Bass Stefan Cerny (Azarja), der Bariton Michael Kraus (Abt) und der junge österreichische Bariton Wolfgang Resch (Hananja). Gemeinsam mit den Solisten wird der renommierte Chor LabyrintheVocalensemble unter der Leitung von Hannes Marek diese selten gespielte Komposition in der wunderbaren Akustik der Kirche St. Stephan in Retz erklingen lassen.
Die in der Kirchenoper aufgegriffenen Themen Vertreibung, Exil, Integration und kulturelle Identität finden auch im diesjährigen Literaturprogramm, das ausnahmslos Autorinnen und Autoren mit Migrationshintergrund zu Wort kommen lässt, ihre Fortführung. Darüber hinaus erwartet die Besucherinnen und Besucher des Festivals zu später Stunde ein Reigen unterhaltsam-anspruchsvoller musikalischer Darbietungen im Festivalgarten des Althof Retz, einem beliebten Treffpunkt für Besucher und Mitwirkende.
Das bisherige Leitmotiv des Festivals „Offene Grenzen“, die musikalische Spurensuche im gemeinsamen österreichisch-tschechischen Kulturraum, findet in diesem Sommer in der seit nunmehr sechs Jahren bestehenden grenzüberschreitenden Kooperation mit dem Musikfestival Znojmo seine Verwirklichung: Neben einer Konzertreihe mit Werken von Leos Janácek und Franz Liszt feiert am 16. Juli 2011 Josef Mysliveceks Oper „Montezuma“ in den Ruinen des Znaimer Minoritenklosters Premiere.
Weitere Informationen und Kartenbestellungen „Die Jünglinge im Feuerofen – The Burning Fiery Furnace“ Vorstellungen: 7., 9., 10., 15. und 16. Juli 2011 jew. Um 20.30 Uhr, Kartenpreise: von 12,-- bis 50,-- Euro, Kartenvorverkauf im Festival Büro am Hauptplatz in Retz, Tel 02942/22 23-52 oder office@festivalretz.at , www.festivalretz.at
Aussender: Madlene Therese Feyrer, Pressebetreuung Festival Retz, Tel 0699/12 33 97 37, presse@festivalretz.at , www.festivalretz.at