Ein literarischer Wanderbegleiter herausgegeben von Michael Stiller & Martin Vogg (Edition Aramo 2011)
Beginn: 20 Uhr, Eintritt: frei
Ort: Literaturhaus NÖ, 3504 Krems / Stein, www.ulnoe.at
Anmutige Schilderungen schöner Landschaften sind immer wieder Teil der literarischen Produktion. Wanderführer gibt es wie Sand am Meer. Reiseführer, die etwa zum Thema Italien im krampfhaften Bemühen um Originalität ewig den berühmten Geheimrat zitieren, bis man versucht ist, die Zitronen dorthin zu wünschen, wo der Pfeffer wächst, ziert der sprichwörtliche Bart. Der vorliegende Band ist tatsächlich anders. 14 Autorinnen und Autoren haben sich in der Wachau auf die 14 Welterbesteige aufgemacht, haben ihre Texte erwandert, ihre Beobachtungen, Impressionen, ihre amüsanten oder auch weniger lustigen Erfahrungen zu einem erfrischenden, stimmigen und anregenden Kompendium verdichtet, das für Interessierte im Wortsinn als Taschenbuch vorliegt und sich vorzüglich eignet, um sich der Wachau über den Blick der LiteratInnen zu nähern, nachzulesen, nach zuwandern.
Mit Beiträgen von Martin Vogg (Vorwort), Christian Futscher, Walter Grond, Clemens Haipl, Semier Insayif, Lorenz Langenegger, Tanja Maljartschuk, Urs Mannhart, Mieze Medusa, Robert Prosser, Angelika Reitzer, Julian Schutting, Christoph Simon, Wolfgang Straub, Sylvia Treudl, Anna Weidenholzer, Magda Woitzuck
Anlässlich der Präsentation lesen:
Julian Schutting
Der Meister der literarischen Perfektion ist nicht nur ein höchst produktiver Autor Am Schreibplatz (Jung & Jung 2010), auch das Gehen ist ihm eine Leidenschaft: Auf der Wanderschaft: Über das Vergnügen am Gehen (Otto Müller 2009).
Alpeno-
strand - wo befindet sich dieser Strand, wenn nicht am Alpenost-rand? dich über den Computerhiasel dieser Tag-eszeitung lustig zu machen, wenn du doch selbst das erstmals erblickte viersilbige Substantiv WELTERBESTEIG schlicht Welter-besteig gelesen hast - jemals von einem Wachauer Berg des Namens Welter gehört? und nennen die Einheimischen in Vorwegnahme der noch ausständigen Besteigung einen Steig wachauerisch Besteig? wer aber, aufsässig wie nun ich, auf: 'Den Welter besteig ich!' beharrt, der sieht sich schon jetzt als einer, der von manchen Gebirgspässen auf Kirchen und auch Tempel hinuntergeschaut hat, auf dem ihm von der Wanderkarte gratis verheißenen Stempelpaß!
(Aus: Auf dem Welterbesteig. Spitz-Mühldorf-Oberranna und retour)
Lorenz Langenegger
Mitglied der Schweizer Autorengruppe "Die Autören", Romandebut 2009 bei Jung & Jung: Hier im Regen; seit kurzem von Zürich nach ostösterreich eingewienert.
Die Wachaubahn ist der kürzest mögliche Zug. Sie besteht aus einigen Sitzbänken, die zwischen zwei Führerstände eingeklemmt sind. Was passieren würde, wenn irrtümlicherweise zwei Lokführer denselben Zug besteigen würden, überlege ich mir, wenn beide pünktlich auf die Sekunde, im gleichen Augenblick also, nur in die jeweils entgegengesetzte Richtung losfahren würden.
(Aus: Von Wien über Rossatz nach Hofarnsdorf und Wien)
Anna Weidenholzer
Legt ihre erste, viel beachtetete Einzelpublikation 2010 vor: Der Platz des Hundes (mitterverlag)
Weiter gehen bedeutet: Einen Schritt vor den anderen setzen, die Arme dazu bewegen, die Füße den Körper tragen lassen. Weiter gehen bedeutet, Christbäume zu sehen, die Hitze zu spüren, zwischen Christbäumen unter der Sonne zu sein.
(Aus: Komm Herr Jesus)
Clemens Haipl
Autor, Kabarettist, Musikproduzent, Zeichner, bekannt aus (fm4)Funk, Fernsehen und von der Bühne - für den selbstverständlich die Unschuldsvermutung (Theater im Rabenhof) gilt.
Weil ich ein völlig degeneriertes Zentralheizungskind bin und auf die Schnelle nicht einmal gewusst habe, wo genau die Wachau ist (Heimatfilme schaue ich nicht und Marillenschnaps trinke ich nicht, woher also auch?) und mich auch nicht erinnern kann, jemals wandern gewesen zu sein, habe ich selbstverständlich zugesagt.
(Aus: Last Exit Wachau)
Aussender: Wolfgang Kühn, Tel 0664/432 79 73, Literaturhaus NÖ, Edition Aramo, www.ulnoe.at