Großartige europäische Literatur und Musik erwarten Sie am 16. Und 17. September im Unabhängigen Literaturhaus NÖ in Krems. Christoph Ransmayr und Péter Esterházy am Freitag, den 16. September sowie Taras Prochasko und klezmer reloaded in einer Vormittagsmatinée tags darauf bringen die große, weite Welt nach Krems!
Freitag, 16. September 2011
Europäisches Format
ORT: ULNÖ - Unabhängiges Literaturhaus NÖ, Steiner Landstraße 3, 3504 Krems / Stein
BEGINN: 20 Uhr
EINTRITT: 15,- / erm. 13,-
WEINBEGLEITUNG: 5,-
KARTEN: www.ulnoe.at oder 0664/432 79 73
Zwei ganz Große der europäischen Literatur, deren inhaltlicher wie stilistischer Gestus weit über Kontinentalgrenzen hinausreicht, geben dem ULNÖ die Ehre: Péter Esterházy und Christoph Ransmayr lesen aus Titeln, die jeweils Kultstatus erreicht haben.
Péter Esterházy
Legt bereits 1979 in Ungarn einen Zweiteiler vor, der "einschlug wie eine Bombe" und lange Zeit aufgrund seiner Machart, seiner Anspielungen und literarischen Kunstgriffe als unübersetzbar galt. Schließlich gelang es Terézia Mora dennoch, das Meisterstück nicht weniger meisterhaft ins Deutsche zu übertragen: Ein Produktionsroman. (Zwei Produktionsromane) liegt seit 2010 beim Berlin Verlag auch für deutschsprachige LeserInnen vor. Der "Produktionsroman" persifliert vollendet jene verordnete Literatur-Form von "Widerspiegelung der optimalen Verhältnisse im real existierenden Sozialismus", die von AutorInnen hinter dem Eisernen Vorhang erwartet wurde:
"Wir denken an zu vieles. Langsam wissen wir nicht mehr, wie was wo. Lasst uns partikulär denken. Ein paar Perspektiven verlieren. Wir sind nicht die Firma, wir sind eine lebendige Person, und die Firma ist es nicht. Wir sind Mitteleuropäer: unser Nervenkostüm ist verschlissen, unser Klopapier hart. Wir zittern nicht wie Espenlaub; wir hängen ab. Wir mögen uns nicht. So was gibt's. Ein Jemand erblickt einen anderen Jemand, der hat ein Haar im Ohr, und schon ist's vorbei! Dabei wäre man - der Jemand - unter Umständen sogar bereit, sich positiv über das Haar zu äußern! In unserem Ohr gibt es nicht ein einziges Haar: die menschliche Seele ist reich. Wie das Große so ist auch die Seele einfach: wir machen uns im Ministerium madig. Wenn wir darauf bestehen, können wir es ruhig wissen: wir sind der Mann des Ministeriums."
Christoph Ransmayr
Morbus Kitahara – ein rätselhaftes Leiden am Auge, das die allmähliche Verfinsterung des Blicks bedingt, ist der perfekte metaphorische Titel jenes Romans, den der Autor 1995 bei Fischer herausbringt. In einer fiktiv historischen Welt, die von einem unheilvollen Frieden verdüstert ist, verwebt Ransmayr auf beunruhigende Art Bruchstücke der Zeitgeschichte.
Der Mohn stand hoch in diesem Jahr und mit ihm viel Unkraut auf den Feldern. Selbst die Kartoffel- und Krautäcker, die steilsten Rieden und jedes noch so harte Stück Erde, aus dem die Moorer eine Frucht zu ziehen versuchten, waren rot gesprenkelt, rot gesäumt, rot durchwachsen von den Blüten des Klatschmohns.
Aber nur die Schmiedin wußte, daß dieser Mohn Blut bedeutete und ein Zeichen der Madonna war. Sie streute dieses seidige Rot über das Land, um den letzten ihrer Söhne jeden Tag daran zu erinnern, daß unter den vielen ungesühnten Toten in der Moorer Erde nun irgendwo am Ufer oder im Geröll verscharrt wohl auch ein Opfer lag, das nicht von Schlägern und nicht im Krieg und nicht im Steinbruch, sondern von seiner Hand getötet worden war ...
Weinbegleitung: Weingut Bründlmayer / Langenlois
Samstag, 17. September 2011
Matinée mit Taras Prochasko & klezmer reloaded
ORT: ULNÖ - Unabhängiges Literaturhaus NÖ, Steiner Landstraße 3, 3504 Krems / Stein
BEGINN: 11.30 Uhr
EINTRITT: 8,- / erm. 6,-
KARTEN: www.ulnoe.at oder 0664/432 79 73
Der ukrainische Autor Taras Prochasko, September-Gast im SchriftstellerInnen-Atelier TOP 22, in einem Interview zu Mirko Schwanitz: „Wenn der Druck im Kopf zu groß wird, komme ich hierher [ins „Nirgendwo“ von Deljatyn]. Siehst du die Uhr dort? Sie ist in den 70er Jahren stehen geblieben. Ich glaube, dass sich in diesem Stehenbleiben die Magie dieses Hauses verbirgt. Denn alle Versuche, die Uhr zu reparieren, sind gescheitert. Und so wie diese Uhr hier zur Ruhe gekommen ist, kommt hier auch der Mahlstrom in meinem Kopf zur Ruhe. Die Erinnerungen werden plötzlich klarer und dann lausche ich in mich hinein und ganz plötzlich denke ich: daraus ließen sich ein paar Geschichten machen!“
Musik: klezmer reloaded
Mit Maciej Golebiowski (Polen) – Klarinetten
und Aleksander Shevchenko (Russland) – Bajan (Knopfakkordeon).
Frisch, leidenschaftlich, spannend, aber auch zart und gefühlsbetont spielen die beiden ihre ureigene "art of klezmer", in die immer wieder auch die Volksmusik aus ihrer Heimat einfließt.
Aussender: Wolfgang Kühn, dummail@gmx.at