Transflair: Zeiten/Wende. Italien, Ukraine - Katastrophen, Karneval
Mit Juri Andruchowytsch und Sabine Gruber
ORT: ULNÖ – Unabhängiges Literaturhaus NÖ, Steiner Landstraße 3, 3504 Krems / Stein
BEGINN: 20 Uhr
EINTRITT: 8,- /erm. 6,-
In Zeiten der Unsicherheit, des Umbruchs ist auch die Kunst gefordert; von Epochen der Wende erzählt Sprachkunst immer wieder. Italien vor und nach dem 2. Weltkrieg, die Ukraine vor und nach dem Fall des Sowjetreichs - wie gestaltet das eine aktuelle Prosa? Mit welchen literarischen Mitteln, mit welcher Erzählhaltung, mit welchen Voraussetzungen und Perspektiven zieht uns eine Fiktion in eine zerbrechende, in eine umgekrempelte Gesellschaft?
Juri Andruchowytsch lässt einen ukrainischen Underground-Dichter zu einer Tagung über den postkarnevalistischen Irrsinn der Welt nach Venedig reisen; Sabine Gruber schildert Südtiroler Frauen und Männer in Rom und tiefe Gräben einer Vergangenheit. Beide lesen und sprechen über Zeiten-Wenden, über ihre literarischen Ansätze und über ihre erzählerische Ausformung der faktischen Vorlagen, die ihnen unsere Epoche in verschiedenen Teilen Europas gibt.
Im Anschluss an die Veranstaltung: kleines musikalisches Ukraine-Privatissimum mit Ewa und Bohdan Hanushevsky - Kohelet 3
Juri Andruchowytsch
Der Mitbegründer der legendären literarischen Performance-Gruppe Bu-Ba-Bu (Burlesk-Balagan-Buffonada) und vielfach ausgezeichnete Autor ist sowohl in seiner erzählenden Prosa als auch in seinen brillanten Essays stets punktgenau und voller Ironie, er beschreibt die postsowjetische Realität seines Landes, Spuren des untergegangenen Galiziens, aber auch die sonderbare Existenz von Künstlern, Schriftstellern und Intellektuellen in einem Land, »aus dem man weggeht«.In seinem soeben erschienenen Roman Perversion (Suhrkamp 2011, Übersetzung: Sabine Stöhr) bricht das Übersinnliche in die Alltagswirklichkeit ein und übernimmt die Regie. Alles Chimäre, Inszenierung, ein großer Bluff? Oder doch die akribische Abbildung einer verrückten Welt mit den Mitteln eines Underground-Künstlers?
„Rabelais und Bachtin, Bulgakow und Esterházy haben Pate gestanden, als in der Ukraine die literarische Postmoderne in Gestalt dieses Buches das Licht der Welt erblickte. Ein entfesseltes Spiel mit Formen, Stilen, apokryphen Traditionen - ein Lektüre-Abenteuer für alle, die lieber lachend mit der Literatur über das Leben triumphieren, als an ihm zu verzweifeln.“ (Suhrkamp Verlagsinfo)
Sabine Gruber
Wurde in Südtirol geboren und veröffentlicht seit 1984 Romane, Gedichte, Erzählungen, Hörspiele und Theaterstücke, Essays, Rezensionen, Glossen und Kommentare. Als Herausgeberin von Anthologien und Büchern zum Werk der 1997 verstorbenen Südtiroler Autorin Anita Pichler, deren Nachlaß sie gemeinsam mit Renate Mumelter verwaltet, ist sie eine wichtige Stimme gegen das Vergessen. Der neue Roman von Sabine Gruber Stillbach oder Die Sehnsucht (C.H. Beck 2011) stellt eine sensible, sprachlich ausgefeilte und inhaltlich genau gelotete Auseinandersetzung mit einem sehr zerrissenen Italien, einem problematischen Heimatbegriff dar.
„Wie wirken die Spannungen um Südtirol und seine Zugehörigkeit seit der NS-Zeit und dem Faschismus bis heute nach? In diesem großen, wunderschön geschriebenen Roman erzählt Sabine Gruber spannend und präzise von der Verflechtung persönlicher und historischer Ereignisse, von Stillbach und von Rom, von Verrat und Verbrechen, von Sehnsucht, Wahrheit und neuer Liebe.“ (Verlagstext)
Klaus Zeyringer
Lebt in Angers (F) und in Wien, Professor an der Université Catholique de l’Ouest, Kritiker für Standard, Volltext, Literatur und Kritik. Zudem Experte für Fußball und Karl Valentin; Bücher, zuletzt: Österreichische Literatur seit 1945 (2001); erweiterte Neuauflage 2008 (Studienverlag); Ehrenrunden im Salon. Kultur - Literatur - Betrieb. Essay (2007).
Aussender: Wolfgang Kühn, Tel 0664/432 79 73, www.ulnoe.at