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Veranstaltungen und Festivals

Ausstellung 2011/ 5 Sigga Björg Sigurdardottir (Island), Guests of Prey

Vernissage 18. November, 19 Uhr, Kunstverein Baden

Es spricht: Karin Pernegger, Künstlerische Leitung AIR Krems
Eröffnung: Gemeinderat Hans Hornyik

Ein Kooperationsprojekt mit AIR artist-in-residence Krems

Ausstellungsdauer: 19. November 2011 – 15. Jänner 2012

Sigga Björg Sigurdardottir

Sie haben etwas Menschliches, aber irgendwie auch nicht. Mal fehlt ihnen ein Kopf, oder sie haben stattdessen ein riesiges schwarzes Maul, fast nie haben sie Augen, aber immer scheinen sie zu fühlen. Was genau, kann man nicht sagen, aber sicher ist: sie fühlen etwas, etwas Menschliches, Schmerz, Trauer, Zuneigung, Verzweiflung, Verwirrung.
Auf windschiefem Papier tummeln sich die Kreaturen der jungen Isländischen Künstlerin Sigga Björg Sigur?ardóttir in bunt geringelten Hemden, hochgezogenen Söckchen und flauschigen Tutus, die dem Großteil der Betrachter jenen gutturalen Laut entlocken, der normalerweise für den Blick in den Kinderwagen einer frisch gebackenen Mutter reserviert ist. Und doch sind die Zeichnungen weit davon entfernt, ins Kinderzimmer zu gehören, denn wenn man sie nur lange genug ansieht, erwachen sie zum Leben, spucken, sabbern, würgen, kriechen aneinander hoch, befingern sich, trampeln aufeinander herum, fügen sich Schmerzen zu oder stehen nur da und betrauern ihre Toten.
Die verborgene Welt, in der diese Geschöpfe mit den triefenden Mündern und haarigen Armen existieren, ist eine Spiegelwelt: Der tief in isländischen Mythologie verwurzelte Glaube an Kobolde, Trolle und Feen, die in den Wäldern ihr Unheil und Schabernack mit den Menschen treiben, schlägt sich unwillkürlich in der Arbeitsweise der Künstlerin nieder:
„Ich denke ich bin sehr Isländisch und da ist mein Unterbewusstsein natürlich voller Dinge, die ich gelernt oder gesehen habe, als ich dort aufwuchs. Ich versuche nicht, etwas „Isländisches“ zu machen, wenn ich arbeite. Ich versuche nur ehrlich zu sein.“
Diese Ehrlichkeit, eine Art Selbstbetrachtung mit Sicherheitsabstand - denn trotz allem, erinnert die Stimme der Raison im Hinterkopf, sind die kleinen Geschöpfe ja nicht echt - das verdeckte Bekenntnis zu eigenen Fehlern und die Suche nach der eigenen Einstellung verbinden die Zeichnungen Sigur?ardóttirs mit den Erzählungen über die mythologischen Geschöpfe. Mit einfühlsamer, aber doch zweideutiger Schlichtheit gehen die Zeichnungen widersprüchlichen Emotionen zwischen Lachen und Weinen, Zuneigung und Abscheu, Mitleid und Schadenfreude auf den Grund.
Das feine Äußere, die zart gezeichneten Haarflauschen, die ominösen Flüssigkeiten, die Färbungen, die ebenso gut Socken sein könnten wie die Spuren vom Waten durch knöcheltiefe Blutlachen entführen den Betrachter auf eine Reise ins Reich der Empfindungen. „Der Gegensatz zwischen Grauen und Schönheit und dem Zustand, in den man verfällt, wenn man nicht weiß ob etwas schön oder ekelhaft, lustig oder traurig ist, hat mich schon immer fasziniert. Haben Sie schon einmal angefangen zu lachen, wenn etwas Schreckliches passiert? Ich schon, und es ist kein gutes Gefühl…“
Katharina Klara Jung

Aussender: Cornelia König, c.koenig@a4-team.com

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