Seit 1976 werden durch die EU-Gleichbehandlungsrichtlinie Maßnahmen zur Förderung der Chancengleichheit ausdrücklich erlaubt. Mit erheblichen Verzögerungen haben die nationalen politischen Verantwortlichen begonnen diese Maßnahmen umzusetzen. Gender Mainstreaming, Frauenförderung und Quotenregelungen werden verordnet und oft explizit als Bedingung für Förderungen von Betrieben, Institutionen und Organisationen festgelegt. Schön und gut! Aber so wie es die berüchtigte „Gläserne Decke“ gibt, die Frauen den Aufstieg in höhere Hierarchieebenen erschwert oder gar verwehrt, so scheint es umgekehrt auch einen „Gläsernen Boden“ zu geben. Maßnahmen, Verordnungen und Empfehlungen von oben dringen zwar in die jeweiligen Strukturen ein, sickern aber meist kaum oder gar nicht in den Boden, sprich in die Basis ein. Nach außen hin wird der Anspruch der Geschlechtergleichheit erfüllt, Rhetorik und Optik stimmen. Schaut man aber genauer hin, entdeckt man immer wieder klassisch patriarchale Rollen und Aufgabenverteilungen, verbunden mit unterschiedlicher Wertigkeit und Anerkennung, mitgetragen von männlichen und weiblichen Beteiligten gleichermaßen. Auch Letztere lassen sich vom oberflächlichen Bild der Gleichheit blenden. Dennoch verspürte Unzufriedenheiten oder bestehende Ungleichheiten werden als individuell und nicht als strukturbedingt abgetan. Die schöne heile Welt funktioniert und die politischen Förderprojekte lassen sich von den InitiatorInnen als Erfolg verbuchen. Wir leben in einer Zeit, in der Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern permanent suggeriert wird und so weiterhin bestehende Missstände umgedeutet, verharmlost und negiert werden. Der Rückschritt fällt auf fruchtbaren Boden.
Der KUPF Innovationstopf 2012 will einen Selbstreflexionsprozess initiieren. Die Beschaffenheit der eigenen Basis soll unter die Lupe genommen und der „Gläserne Boden“ freigelegt und umgegraben werden. Alltagspraxis, Arbeitskultur, aber auch die gesellschaftliche und politische Realität sollen hinterfragt und die Veränderungsmöglichkeiten aufgegriffen werden.
Ausschreibungsunterlagen: kupf.at/projekte/innovationstopf/gl-serner-boden
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