Olga Tokarczuk (Polen) & Maja Haderlap
ORT: ULNÖ - Unabhängiges Literaturhaus NÖ, Steiner Landstraße 3, 3504 Krems / Stein
BEGINN: 20 Uhr
EINTRITT: 8,- /erm. 6,-
INFOS & KARTEN: www.ulnoe.at bzw. 0664 / 4327973
Eine Polin in der EU, eine österreichische Slowenin: Sie finden sich nicht nur oft in eine Randposition ihrer Heimat verwiesen - sie haben die Welt auch im Blick einer Frau, ob dies nun eine grauenhafte Vergangenheit betrifft oder Auseinandersetzungen mit Herrschaften und Macht. Was bedeutet ein Standpunkt, zumal ein weiblicher, für das Erzählen über Gesellschaft, ihre Entwicklungen und Formen? Wie gestalten Autorinnen die Themen Identität und Erinnerung? Wie wirkt sich der Blick zweier scheinbar recht unterschiedlicher, großartiger Schriftstellerinnen auf ihr Schreiben aus? Welche Positionen beziehen oder erhalten sie im Literaturbetrieb, im kulturellen Leben?
Dazu lesen, darüber sprechen Olga Tokarczuk und Maja Haderlap: die weit über die Grenzen ihres Landes und ihrer Muttersprache hinaus renommierte polnische Autorin und die Kärntner Slowenin, die nach dem Bachmann-Preis mit ihrem Roman bei Kritik und Publikum einen großen Erfolg erfährt.
Olga Tokarczuk
Ateliergast des ULNÖ im März, gilt als eine der interessantesten polnischen Autorinnen. Ihre Bücher sind bei Kritik wie Lesern gleichermaßen erfolgreich. Im jüngsten Band, Der Gesang der Fledermäuse (Schöffling 2011), spielt sie souverän mit dem Krimi-Genre, hält den Humor nicht hintan und stellt gleichzeitig bewegend die Frage nach dem "menschlichen" Umgang mit der "Kreatur":
Plötzlich fiel mein Blick auf etwas, das mein Gehirn erst nach längerem Hinsehen erkannte, weil es sich dagegen wehrte: Auf einem Blechtablett auf der Fensterbank lag ein sorgfältig abgetrennter Rehschädel. Daneben vier Rehbeine. Die halb offenen Augen hatten unser Hantieren die ganze Zeit aufmerksam verfolgt. Es war eines dieser ausgehungerten Rehe, die sich im Winter naiv mit angefrorenen Äpfeln locken lassen und die dann, von der Schlinge erfasst, qualvoll vom Draht erwürgt werden. Als mir langsam bewusst wurde, was hier geschehen war, packte mich das Grauen. Er hatte das Reh mit einer Drahtschlinge gefangen, es umgebracht, sein Fleisch zerstückelt, gebraten und gegessen. Ein Lebewesen hatte ein anderes aufgegessen, schweigend, in aller Stille, in der Nacht.
Maja Haderlap
geboren in Eisenkappel/´elezna Kapla, Lyrikerin, lange Jahre als Chefdramaturgin am Stadttheater Klagenfurt tätig und regelmäßig Lehrende am Institut für angewandte Kulturwissenschaft der Alpen-Adria-Universität in Klagenfurt, wurde 2011 mit dem Ingeborg Bachmann Preis ausgezeichnet. Maja Haderlap, die ihre Gedichte auf Deutsch und Slowenisch veröffentlicht und auch aus dem Slowenischen übersetzt, hat diese Auszeichnung so sehr verdient wie nicht bald ein/e AutorIn. Konsequent an ihrem Überthema Identität arbeitend, ist ihr mit dem Roman Engel des Vergessens ein Titel gelungen, der in dichter Prosa anrührend und präzise, gefiltert und geschärft zu gleichen Teilen durch den literarischen Kunstgriff eines kindlichen Blicks, vom Schicksal der Kärntner Slowenen erzählt.
"Die im slowenischen Teil Österreichs geborene Autorin formt in ihrem fulminantem Romandebüt die Geschichte des slowenischen Volkes zu einem großen Gesang." (Verlagstext)
Klaus Zeyringer
Lebt in Angers (F) und in Wien, Professor an der Université Catholique de L'Ouest, Kritiker für Standard, Volltext, Literatur und Kritik. Zudem Experte für Fußball und Karl Valentin; Bücher, zuletzt: Österreichische Literatur seit 1945 (2001); erweiterte Neuauflage 2008 (Studienverlag); Ehrenrunden im Salon. Kultur - Literatur - Betrieb. Essay (2007).
Joanna Ziemska dolmetscht an diesem Abend Olga Tokarczuk.Die Veranstaltung wird unterstützt vom Polnischen Institut Wien.
Aussender: Wolfgang Kühn, dummail@gmx.at