Das Haus der Regionen lädt zur dritten Diskussionsrunde der Reihe „Allerlei Erbschaften“ zum Thema Geformtes Erbe. Denkt ein Künstler daran, etwas Neues zu erschaffen, zieht er automatisch Verbindungen zu dem vorher Dagewesenen, das ihn wahrscheinlich erst überhaupt zu eigenen Kreationen inspiriert hat. Er zieht diese Verbindungen wahrscheinlich nicht nur der Inspiration wegen, sondern des Wissens, also der Information wegen.
Das bedeutet, egal was wir schaffen und erschaffen, es bedarf immer einer bestehenden Basis, einem Repertoire, auf das wir zurückgreifen können, von dem wir automatisch – ob willentlich oder nicht – beeinflusst werden. Dieses bestehende Gedankengut bildet das Fundament der Kunstproduktion und stellt somit ein Erbe dar, welches als Inspiration zur Fortsetzung oder zur Abgrenzung, Absonderung dazu dienen kann. Gedankengut, ausgedrückt durch die Künste, ist eine Art kollektives Erbe und dient als Inspirationsquelle für die Bildung neuer Formen und Systeme. Somit hat alles seinen Ursprung und seine Verwurzelung.
Für Entwicklung bedarf es Inspiration, der Störung des Systems und dessen Strukturen, für Inspiration bedarf es wiederum einer Vorstellung und die Vorstellung selbst ist zumeist doch etwas bereits Dagewesenes, wenn auch nicht unmittelbar Abrufbares. So integrierte etwa der ungarische Komponist Béla Bartók volksmusikalische Elemente in seine Kompositionen, durch sein Genie wurde so die Volksmusik Teil der Kunstmusik, wurden lokale Dialekte in eine universelle Sprache umgestaltet.
Gibt es überhaupt noch „das Neue“, oder ist jedes kreative Produkt im Endeffekt eine Art kompilatorische Arbeit – ein Zusammenfügen von früheren Eindrücken und Informationen? Ist Innovation immer etwas Grundlegend Neues oder bloß eine neuartige Zusammenstellung, also das Alte im neuen Kleid? Wie ist es heutzutage überhaupt noch möglich, etwas Neues zu erschaffen? Neue Medien erleichtern den Informationsfluss, gleichzeitig werfen sie neue Fragen bezüglich des Urheberrechts auf. Wie ist künstlerische Freiheit etwa im Internet zu definieren und inwiefern kann man noch auf Gemeingut sprechen, welches für alle und jeden zugänglich sein soll? Über diese und andere Fragestellungen diskutieren Mag. Dr. Eva Maria Stöckler, Leiterin des Zentrums für Zeitgenössische Musik der Donau-Universität Krems und Oskar Aichinger, seines Zeichens Pianist und Komponist, beim Kremser Kamingespräch mit Moderator Michael Battisti im Haus der Regionen, in Krems-Stein.
Der nächste Termin zum Themenschwerpunkt Allerlei Erbschaften:
Mi, 13.6.2012, 18.00 Uhr: „Verwunschenes Erbe“: Em. Univ.-Prof. Dr. Gerhard Botz | Andrea Eckert
Eintritt frei! Um Anmeldung wird erbeten!
Aussender: Volkskultur Niederösterreich, Mag. Dr. Lejla Halilovic, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Haus der Regionen, Donaulände 56, 3504 Krems-Stein, Tel 02732/85 015 29, Fax 02732/85 015 27, Mobil 0664/960 88 58, lejla.halilovic@volkskulturnoe.at , www.volkskulturnoe.at