Das Stück ist von liebenswerter Frische. Ein anrührender Reifungsprozess, empathisch und humorvoll in Szene gesetzt. Zwei Schwache, die gemeinsam stark werden, das erregt Sympathie. Man lächelt über sie und manchmal erkennt man sich selbst wieder in den plötzlichen Ängsten und Überforderungen.
Das Leben kann sehr leicht wie ein Hürdenlauf wirken, wenn es schon Mut erfordert, ans Telefon zu gehen oder ein Restaurant zu durchqueren. Für Elling und seinen Freund Kjell Bjarne sind die alltäglichen Probleme, mit denen sie nach der Entlassung aus der psychiatrischen Klinik konfrontiert werden, eine echte Herausforderung. Elling, der sich selbst als Muttersöhnchen bezeichnet, neigt zu Übertreibungen jeder Art, ist besserwisserisch, eigensinnig und dabei sehr, sehr ängstlich. Selbst ein klingelndes Telefon empfindet er schon als Bedrohung, gegen die er sich zur Wehr setzen muss. Sein „Blutsbruder“ Kjell Bjarne verfolgt mit stoischer Hartnäckigkeit die zwei großen Interessen seines Lebens: Essen und (endlich!) Sex mit einer Frau haben. In schwierigen Situationen – und davon gibt es täglich mehr als genug – neigt er dazu, seinen Kopf gegen die Wand zu schlagen. Sonst aber ist er sehr gutmütig und ein echter Kumpel. Um die beiden neurotischen Helden wieder in die „normale“ Gesellschaft einzugliedern, stellt ihnen der norwegische Staat eine Wohnung und den Sozialarbeiter Frank - der ihnen mühsam ein paar Regeln beibringt: telefonieren, einkaufen, ausgehen - zur Verfügung. Nach anfänglichen Katastrophen, astronomisch hohen Rechnungen für Telefonsexanrufe (schließlich muss man das Gelernte anwenden) und einigen emotionalen Krisen, versuchen sie sich an die Welt „da draußen“ zu gewöhnen, bis diese in Gestalt einer sturzbetrunkenen, schwangeren Frau eines Tages unvermittelt in ihr Leben fällt und sie vor neue Herausforderungen stellt. Die beiden Neurotiker haben nun nicht nur die Probleme des Alltags zu lösen, sondern auch eine durchaus existentielle Krise zu bewältigen.
Das kauzige Muttersöhnchen Elling aus Norwegen eroberte das deutschsprachige Kino und findet seinen Weg nun auch auf die Bühne des tww. Die liebenswert-skurrile Geschichte über das große Abenteuer Normalität war nicht nur der erfolgreichste Film in Norwegen. Auf Filmfestivals in aller Welt haben Elling und Kjell Bjarne die Herzen der Zuschauer erobert und wurden mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, unter anderem 2002 mit einer Oscar-Nominierung als bester fremdsprachiger Film.
Besetzung
Elling Günther Pfeifer, Kjell Bjarne Andreas Hajdusic, Frank Peter Sykora, Reidun, Kellnerin Nicole Spelz
Stimme von Gunn Franziska Wohlmann. Team: Bühnenbau Werner Wurm, Lichtgestaltung Martin Kerschbaum, Licht Robert Haas, Florian Oberpeilsteiner, Assistenz Inge Anderlik, Inszenierung Andreas Wolf
Premiere: Sa 29. Sept. 20.00, weitere Termine: Fr 5., 19., u. 26., Sa 6., 13., 20. u. 27., So 7., 14. u. 21. Okt. jew. Sa 20.00, So 18.00, Ort: Theaterstadl/Studiobühne, 2042 Guntersdorf, Bahnstr. 201
Aussender / Info: TWW Theater Westliches Weinviertel, 02951/2909 (Di 14-17, Do 8-11), www.tww.at.