3340 Waidhofen/Ybbs, Oberer Stadtplatz 32
Wenn einer der bedeutendsten zeitgenössischen Komponisten Österreichs Einblicke in sein bildnerisches Schaffen gibt, ist es nahezu unmöglich, die Relevanz seines musikalischen Werkes nicht ausreichend zu würdigen. Die Stärke dieses gemalten Œuvres mag nun doch diesen Versuch einer Annäherung rechtfertigen.
Friedrich Cerha zeigt in der Waidhofner Stadtgalerie Malerei und Collagen in geometrischen Verdichtungen, deren Vehemenz im Ausdruck nicht nur verblüfft, sondern umfassend überzeugt. In einem Text über seinen Zugang als bildender Künstler schreibt Cerha: „Ich hatte schon als Kind eine besondere Beziehung zu den kleinen Dingen, die uns umgeben. Und die ich schön und anziehend fand, habe ich gesammelt: Steine, Wurzeln, altes Holz, Metallteile, Samen, Baumrinde, Münzen… und ich habe mit ihnen gelebt.“ Nicht zuletzt hier hat das bildnerische Arbeiten auch sein kompositorisches angeregt: im Ensemblestück „Catalogue des objets trouvés“ aus dem Jahr 1969, das 1970 in Wien uraufgeführt wurde. Vice versa entstand während der Entstehungsphase der Oper „Baal“ das Bild „Baals Frauen“, das ebenfalls in der Waidhofner Ausstellung zu sehen ist.
Dass die afrikanische Skulptur und Malerei per se und in ihren Einflüssen auf die europäische Avantgarde der Vor- und Nachkriegsjahre den Künstler beeinflusst hat, ist evident. Bei einem Besuch der Brüsseler Weltausstellung von 1958 fand diese Begegnung und Auseinandersetzung erstmalig statt. „Ich war fasziniert von den Montagen eines Schwitters – dem fühlte ich mich verwandt – und ich bewunderte die Arbeiten eines Brancusi, eines Pevsner und Naum Gabo.“ In den 1960er Jahren begann Friedrich Cerha , Holz sowie Metall und gefundene Objekte in seine Bilder einzubeziehen. Die Freundschaft mit dem Maler Johann Fruhmann inspirierte Cerha ebenso wie jene zum Bildhauer Karl Prantl. Arbeiten in Stein folgten ab den 1970er Jahren.
Bei der Werkschau in Waidhofen/Ybbs, die von der Kulturwissenschafterin Theresia Hauenfels für Kunstbank Ferrum – Kulturwerkstätte kuratiert wurde, steht das Spannungsfeld von Farbe und Linie im Mittelpunkt. Reliefartige Oberflächen betonen die Plastizität der Kompositionen. Deren Strenge wirkt jedoch nie strikt, sondern scheint nahezu unmittelbar organisch gewachsen. Die Assemblagen lassen einen feinen Humor durchschimmern, der auch dem Werk Paul Klees zugrunde liegt. Die Vitalität der geometrischen Flächen ist erfrischend, die Farben sind kräftig und dennoch immer fein prononciert. Dass das umfangreiche bildnerische Werk von Friedrich Cerha bislang wenig gezeigt wurde – einmal in Salzburg und einmal in Graz – ist ein Grund mehr, in Waidhofen Auszüge der großen Serien kennen zu lernen. Die Ausstellung wird am 19. Oktober 2012 um 19h durch den Direktor des Landesmuseums Niederösterreichs eröffnet.
Öffnungszeiten: 20.10. bis 18.11.2012, FR 16-19 Uhr, SA 10 – 13Uhr, SO 15-18 Uhr
Aussender: Verein Kunstbank Ferrum – Kulturwerkstätte, Oberer Stadtplatz 32, 3340 Waidhofen, ZVR 656760738, http://kunstbank.waidhofen.at , kunstbank-ferrum@kulturmanager.at