Anlässlich des 100. Geburtstages von Viktor Kraft möchten wir einen Überblick über das großartige Schaffen des Architekten, Malers und Schriftstellers geben. Am 22. November 2012 um 18.30 Uhr wird die zweite Ausstellung im Stadtsaal in Mistelbach eröffnet. Die Ausstellung kann ab 23. November bis 16. Dezember 2012 bei freiem Eintritt besichtigt werden, und zwar Dienstag bis Samstag, jeweils von 14.00 bis 18.00 Uhr. Im Frühjahr 2012 redigierten wir für das Buch „Michael Krickl: Geschichten aus dem Weinviertel - Band 2“ auch die Biographie dieses Schriftstellers. Aus diesem Grund nahmen wir die Nachforschungen nach dem Autor der 1977 erschienenen zeitgeschichtlichen Schilderung „Mistelbach in den Zwanziger Jahren“ von Viktor Kraft wieder auf. In diesem Aufsatz erwähnt Viktor Kraft „unseren Krickl“ als seinen Lehrer - und er hat ihn in guter und lieber Erinnerung: „Viel verdanken wir unserem Lehrer Krickl ...“ Durch unser Interesse an Viktor Kraft ist das Projekt entstanden, über ihn als Architekten, Schriftsteller und Aquarellmaler in seinem Jubiläumsjahr eine Ausstellung in Hausbrunn und Mistelbach zu gestalten.
Viktor Kraft – Biographische Notizen
Viktor Kraft wurde am 25. Oktober 1912 in Hausbrunn, Niederösterreich, geboren. Als Kind kommt er zu seiner Tante, Magdalena Hubinger, nach Mistelbach, wo er auch die Schule besucht. Anschließend studiert er Theologie bei den Salvatorianern im Kloster „Am Hamberg“ in Oberösterreich, tritt aber vor Beendigung seiner Studien aus dem Orden aus. Von 1935 bis 1938 besucht Viktor Kraft die Theresianische Militärakademie in Wiener Neustadt. Im zweiten Weltkrieg gerät Viktor Kraft 1940 als Jagdflieger in englische Kriegsgefangenschaft. Er wird in Kanada interniert und kehrt 1947 nach Österreich zurück.
Der Architekt
Nach Beginn des Technik- und Architekturstudiums in Kanada setzt Viktor Kraft nach seiner Rückkehr sofort das Studium der Architektur an der Technischen Universität (früher Technische Hochschule) in Wien fort. 1949 erfolgt die Sponsion zum Diplomingenieur und 1951 die Promotion zum Doktor der Technik mit der Dissertation „Entwurfsgedanken zum Krankenhausbau“. In den ersten Jahren nach Studienabschluss ist Viktor Kraft bei einer großen Wiener Baufirma, ab 1954 als freiberuflicher Architekt von seinem Wiener Büro aus, tätig. Eine der ersten großen Aufgaben ist die Leitung der Vorplanung für das Allgemeine Krankenhaus (1955-1958) in Wien. Gleichzeitig aber plant und baut er Wohnhäuser, Büround Industriebauten, Heime, öffentliche und sakrale Bauwerke. Sein Tätigkeitsbereich erstreckt sich nicht nur auf Wien, sondern auch auf Niederösterreich, vor allem das Weinviertel, und andere Bundesländer. Bald kommen auch internationale Aufgaben hinzu.
Der Schriftsteller
Viktor Krafts literarisches Schaffen ist vielseitig: zeitgeschichtliche Berichte, Landschaftsschilderungen und Fachbeiträge. Als Vorliebe erkennen wir jedoch die Lyrik. Hier sind es Mundartgedichte, lyrische Gedichte in verschiedenen Vers- und Strophenformen und vor allem auch Haiku (japanische Strophenform). Auf einem Tonfilm liest Viktor Kraft einige seiner Mundartgedichte, um sie für uns erlebbar zu machen.
Der Künstler
Viktor Kraft bezeichnet die Aquarellmalerei als seine eigentliche Leidenschaft. Außer Aquarellen sind auch noch zahlreiche Zeichnungen, Skizzen, Ölbilder und andere Bildkunstwerke erhalten. Zunächst Autodidakt, basierend auf seiner Ausbildung während des Architekturstudiums, besucht er noch während seiner Tätigkeit als Architekt dreimal die Sommerakademie in Salzburg – „Schule des Sehens“ – und Ausbildungslehrgänge in Wien und im Stift Geras, u. a. bei Becker, Csuvala, Hollemann, Korab, Martinz, Mateyka und Messensee. Ab 1989 leitet Viktor Kraft selbst Kurse im Stift Geras und auf Burg Feistritz. Ab 1973 veranstaltet Viktor Kraft zahlreiche Ausstellungen, u.a. in Bad Ischl, Mistelbach, Maria Zell, Salzburg, Stift Geras, Tullnerbach, Unterach, Wien, Wiener Neustadt sowie in der Bundesrepublik Deutschland. Viktor Kraft stirbt 86-jährig am 16. Jänner 1998.
Aussender: Irene Gamon, Obere Landstraße 103, 2130 Hüttendorf, Tel 02572/323 07 oder 0664/911 72 86 (Irene Gamon), 0660/767 54 30 (Dr. Detlev Gamon)