Produktionsland: Deutschland, Frankreich, Österreich
Produktionsjahr: 2012
Länge: 130 min
Regie: Ulrich Seidl, Drehbuch: Ulrich Seidl, Veronika Franz
Kamera: Wolfgang Thaler, Ed Lachman, Schnitt: Christof Schertenleib
Hauptdarsteller: Maria Hofstätter, Margarete Tiesel, Inge Maux, Peter Kazungu, Carlos Mkutano, Gabriel Mwarua
Paradies: Liebe ist der erste Teil einer Trilogie des Österreichers Ulrich Seidl und der Auftakt könnte stärker nicht sein. Anfänglich besticht der Film durch seinen trockenen Humor, der vor allem auf kleinen Alltagsepisoden und bildhafter, ja manchmal gar an Buster Keaton erinnernde Bildkomik beruht. Die Absurdität des alltäglichen Menschen zu zeigen, genau das erwartet man ja auch von Seidl. Diese Art der Entlarvung ist Teil seiner Handschrift. Doch das ist nur die Oberfläche des Filmes. Darunter brodelt es gewaltig. Seidls Film entpuppt sich nach und nach als knallharter Sozialkommentar und vor allem als Film, der bis zum bitteren Ende dabei bleibt, der seine Geschichte konsequent durchkonjugiert.
Auf der Suche nach dem Glück
Die pubertierende Tochter und die Katzen werden kurzerhand bei einer Freundin abgestellt, denn für die ist jetzt keine Zeit. Teresa (bravourös dargestellt von Margarethe Thiesel) fährt in Urlaub. Endlich weg aus dem kalten, miefigen Österreich und hinein ins exotisch-warme Kenia. Am Land an sich ist sie eher nicht interessiert, wohl aber am separierten, überwachten Resort mit Strandabschnitt, an dem die weißen Urlauber auf der einen Seite bewegungslos in der Sonne braten, während auf der anderen einheimische Strandverkäufer bewegungslos darauf warten, dass sich eine/r von ihnen auf die andere Seite verirrt. Die Fronten sind klar: schwarz/weiß, reich/arm, aber auch Mann/Frau.
Wie schön sie sind, diese "Neger" und sie riechen so gut nach Kokosnuss, stellen Teresa und ihre rastalockige Freundin alsbald fest. Diese weiß auch Rat gegen Teresas Einsamkeit und Liebessehnsucht. Ein schwarzer Mann wird's richten, die haben nicht so viele Ansprüche, sind gut gebaut und - um es mit Gloria Fürstin von Thurn und Taxis zu sagen - "der Neger an sich schnakselt ja gerne." Schnakseln, denkt sich Teresa wär nicht schlecht, doch vor allem will sie Liebe, jemand, der ihr in die Augen schaut und ihr Innerstes sieht, denn ihr Äußeres, so ist sie sich sicher, lockt keinen Mann mehr hinterm Ofen hervor. Zumindest keinen Europäer. Anfänglich zaghaft, doch bald sehr fordernd, versucht Teresa ihr Glück und begibt sich auf die Suche nach einem Mann.
Aussender: iA Lisa Steinbichler, Kunstbank Ferrum ? Kulturwerkstätte, Oberer Stadtplatz 32, 3340 Waidhofen/Ybbs, Internet: http://kunstbank.waidhofen.at , ZVR 656760738