Den aktuellen Protesten, Demonstrationen, Camps von Flüchtlingen in Europa ist der Schwerpunkt der ersten Ausgabe der Kulturrisse des Jahres 2013 gewidmet. Das refugee protest camp vienna ist kein singuläres Ereignis und die Ausgabe „We will rise! Das Aufbegehren der Refugees“ fragt danach, wie Demokratie praktiziert werden kann und vor welchem Hintergrund sich die Proteste entfaltet haben.
Eine der zentralen Forderungen, die zu stellen sind, übermittelt Etienne Balibar in seinem aktuellen Nachwort zum Wiederabdruck einer Rede, die er 1997 anlässlich einer Kirchenbesetzung durch Sans Papiers gehalten hatte: „Es wird notwendig sein, dass die Gesellschaften der Gegenwart (...) sich dazu durchringen, ein neues Recht einzusetzen: ein Recht, das die Bewegung der Menschen, ihren Aufenthalt, ihre Arbeit, ihren sozialen Schutz betrifft und das es über die Grenzen hinweg zu etablieren gilt“. Stefan Nowotny schreibt zur zynischen Politik und zum Ringen um den Wert der Geschichten und Erfahrungen der Refugees. Deren Proteste und die Solidarisierungen mit diesen dienten auch der „Wiederherstellung von Bedingungen, in denen die menschliche Rede nicht zum Beutefang der Polizei wird, sondern auf ein Gehör trifft, das sich dem Gesagten und Erzählten, der Stimme und den sie modulierenden Stimmungen öffnet.“
Ihre gespeicherten Fingerabdrücke zu löschen, um zumindest einen neuen Versuch der Aufnahme in einem anderen Land zu ermöglichen – das war ein Appell der Wiener Refugees. Ihren Weg vom Erstaufnahmelager Traiskirchen über die Errichtung des Camps in das Kirchenasyl und das Servitenkloster zeichnet Lisbeth Kovacic nach. Bue Hansen und Birgit Mennel haben zwei der Wiener Refugees interviewt.
Monika Mokre vermisst die vertragliche Konstruktion Europa in Hinblick auf ihre Logiken des Ausschlusses, die die Identifikation mit einem Projekt Europa zunehmend erschwerten und plädiert für die „neue Zielsetzung einer im Inneren und Äußeren solidarischen Gemeinschaft”. Die bereits erwähnten Fingerprints, sie stünden auch für eine diffus gewordene Grenze im Zeitalter der digitalen Deportabilität, eine Grenze, die die Refugees so gleichermaßen selbst „buchstäblich verkörpern“ und mit sich mitnehmen, analysieren Brigitta Kuster und Vassilis S. Tsianos. Kuster/Tsianos formulieren den Appell der Wiener Refugees als Forderung: „Erase them!“ Andreas Oberprantacher schließlich setzt sich mit dem Aufbegehren selbst auseinander. Dieses bedeute für die ProtagonistInnen, ihr „Leben öffentlich (zu) riskieren, indem sie sich anders präsentieren, als ihnen zugemutet wird“. Es gelte, Szenen des Aufbegehrens anders wahrnehmen zu lernen, ihre ProtagonistInnen anders zu erkennen als „als eine Menge besonders bedürftiger Menschen, die sich unter Umständen in rabiate Bestien verwandeln können“. Abschließend schildert ein Text von Moira van Dijk die Situation von Refugees in den Niederlanden.
Entstanden ist der Schwerpunkt im Rahmen einer Kooperation mit MALMOE und dem eipcp-Projekt „Europe as a translational space: The Politics of Heterolinguality“.
Bestellungen: Kulturrisse 01/13 „We will rise! Das Aufbegehren der Refugees“
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Die Ausgabe ist auch in folgenden Buchhandlungen erhältlich:
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