Eine gesammelte Geschichte
Es spricht: Alexandra Hennig, Kuratorin, AIR – ARTIST IN RESIDENCE
Eröffnung: Gemeinderat Hans Hornyik
Ausstellungsdauer: 27. April 2013 – 23. Juni 2013
Maria Sundström – Eine gesammelte Geschichte
"Ich bin eine Künstlerin, die mit Fotografie, Video- und Klanginstallationen arbeitet. Meine Arbeitsweise besteht aus Untersuchungen und Nachforschungen - einige meiner Projekte nehmen Jahre in Anspruch. Fotografie ist für mich als Mittel zur Kommunikation und zur Visualisierung von Geschichte interessant. Ich arbeite analog, meist mit eigenen Fotografien, teilweise jedoch auch mit fremden. Für mich geht es darum, ein Spurenprofil zu schaffen, das einer Dokumentation möglichst nahe kommt. Ich versuche, der Wahrheit auf den Grund gehen - so weit es mir als Künstlerin möglich ist."
Die Schwedin Maria Sundström wurde 1961 in Ödeborg geboren, studierte u. a. an der Akademie der Künste von Umeå und lebt und arbeitet nun in Hörnefors.
Erinnerungen und Nachlässe ihrer deutschen Großeltern brachten sie vor einigen Jahren dazu, sich mit der Geschichte des Nationalsozialismus zu beschäftigen. Sie tut dies, indem sie fragmentarische Fundstücke - das heißt Anmerkungen, Schriftstücke, Photos, Interviews - künstlerisch auswertet. Ihre Arbeiten zeugen von der Eindringlichkeit einer, wenngleich Nachgeborenen, doch hochgradig Betroffenen.
In ihrer Ausstellung "En samlad historia/A collected history/Eine gesammelte Geschichte" (erstmals gezeigt in der Galerie ALVA, Umeå, 2012) verwendet Sundström Interviews, Gespräche und anderes Material, das zwischen 1993 und 2012 gesammelt wurde. Vieles entstand dabei aus der Zusammenarbeit mit der schwedischen Journalistin Elisabet Blomberg in deren gemeinsamem Projekt "Wiedergutmachung" (Kunsthalle Karlskrona, 2004). Dabei setzt sich die Künstlerin - ausgehend von ihren eigenen deutschen Vorfahren - mit dem nationalsozialistischen Deutschland der 30er- und 40er-Jahre auseinander.
Die Künstlerin forscht nun während ihres Aufenthaltes in Österreich nach Einzelheiten aus dem Leben ihres deutschen Großvaters, der ein Mitglied der NSDAP war und während des zweiten Weltkrieges in Salzburg als Ingenieur gearbeitet hat; weiters war er auch in Polen und den Baltischen Ländern stationiert; 1949 floh er schließlich mit seiner Familie aus der damals entstehenden DDR nach Schweden.
Durch ihre Großeltern kam Maria Sundström dazu, sich mit deren Geschichte zu beschäftigen. In diesem Zusammenhang ist ihr Projekt "Heilige Schrift" zu verstehen: 1973 schenkte ihr die Großmutter in Berlin eine Bibel der Urgroßmutter aus dem Jahr 1876. Diese enthält Anmerkungen von drei verschiedenen Frauen im Lauf der Zeit, als sie jeweils im Besitz des Buches waren. Dieses Material verwendet die Künstlerin, um daraus deren individuelle Geschichten zusammen mit ihren eigenen Reflexionen zu verweben.
All diesen Spuren folgt die Künstlerin, um auf diesem Wege eine berührende und betroffen machende, ja auch verstörende neue Erzählung zu finden. So gelingt es Maria Sundström beeindruckend, in dieser Ausstellung eine visualisierte Geschichte Europas der besonderen "Art" zu zeigen.
(Übersetzung: Dagmar Travner)
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