Ruinöse Zweckarchitektur. Ausgedient. Die Künstlerin und Anerkennungspreisträgerin des Landes Niederösterreich 2013 Maria Temnitschka erforscht verlassene Fabriks- und Werkshallen und dokumentiert akribisch den Verfallsprozess der dort vorgefundenen Materialien. Die Ausstellungsbrücke St. Pölten zeigt von 2. bis 30. Oktober 2013 eine Werkschau ihrer künstlerischen Momentaufnahmen vor dem Abbruch stehender Industriebauten.
Maria Temnitschka beschäftigt sich seit Jahren mit urbanen Strukturen, vorzugsweise mit ruinöser Architektur. Schon in ihrer Serie „Rost“ ging es um verfallende Industriebauten. Danach standen Randzonen der Stadt sowie Brücken und Betongebäude im Zentrum ihres Interesses. Immer wieder aber kehrt die Malerin zu ihrem – wie sie selber meint – „Lebensthema“ zurück: Ruinöse Zweckarchitektur, die sie unwiderstehlich anzieht. Es geht ihr bei diesem Thema nicht um eine vordergründige Ästhetik des Verfalls oder gar eine Ruinenromantik. Das eigentliche Faszinosum an diesen Räumen, die sie akribisch erforscht, ist der im Material manifestierte Ablauf der Zeit: Patina, Verfall, nutzlos werden, altmodisch sein, … – Folgen des unerbittlichen Fortschreitens der Zeit, die Maria Temnitschka ohne Sentimentalität oder Wehmut in Malerei umsetzt.
In den verlassenen Fabriks- und Werkshallen gibt es häufig stehengebliebene Wanduhren, die auch in den Bildern auftauchen so wie ihr (mittlerweile verstummter) Uhrschlag, der Takt, der motivisch in Form von Streifen über manche Bilder wandert – Streifen, die Bildstörungen gleich das baldige Aus für einen in die Jahre gekommenen architektonischen Zweckbau ankündigen.
Das aufziehbare Uhrwerk ist für die Künstlerin ein Sinnbild für ein Zeitalter mechanischer Arbeitsvorgänge. Inzwischen hat die Digitalisierung umfassend Platz gegriffen und damit ein neues Zeitverständnis.
Während der Vernissage der Ausstellung „Ausgedient“ auf der Ausstellungsbrücke wird eine Sammlung ausgedient habender Weckuhren noch einmal die Zeit in mechanische Bewegungseinheiten unterteilen. Circa dreißig alte Wecker werden eine „Musik“ sich überlagernder Tick-Tack-Töne bilden, um danach einer nach dem anderen stehenzubleiben.
Wer sollte schon daran denken, diese altmodischen Zeitmesser aufzuziehen?
Vernissage: Mittwoch, 2. Oktober 2013 um 18:30 Uhr
Begrüßung: MMag. Katharina Szlezak, Leiterin der Ausstellungsbrücke
Einführung: Mag. Hartwig Knack, Kunsthistoriker
Eröffnung: Doris Schmidl, Abgeordnete zum Niederösterreichischen Landtag
Winzer: NÖ Landesweingüter
Im Anschluss laden wir zu Imbiss und Weinverkostung!
Ort: Ausstellungsbrücke, Regierungsviertel St. Pölten, Landhausplatz 1, Haus 1, 3. Stock, 3109 St. Pölten
Ausstellungsdauer: 2. bis 30. Oktober 2013
Künstlerkontakt: www.temnitschka.at
Aussender / Infos: Amt der Niederösterreichischen Landesregierung / Abteilung Kunst und Kultur, Tel 02742/9005-15916, ausstellungsbruecke@noel.gv.at , MMag. Katharina Szlezak