Fanny Fink singt sich das Leben und Lieben aus dem Leib. Als gäbe es kein Morgen, als müsste die Welt stehen bleiben und ihr zuhören. Was sie uns erzählt, kennen wir alle: wie es ist, verlassen zu werden und zu verlassen. Wie es sich lieben oder lieber bleiben lässt. Wir kennen den Kampf um die eigene Freiheit - von den Eltern, von Zwängen und manchmal auch von sich selbst. Fanny Fink, die deutsche Diseuse mit dem mondänen Charme einer Frau von Welt, von deren Geschichte wir erst im Laufe des Abends erfahren werden, ist auf der Flucht. Ihr ganzes Leben schon. Atemlos berichtet sie uns von ihren Abenteuern, ihren Leidenschaften, Träumen und verlorenen Chancen. Während sie immerzu zurück blickt, wehmütig, melodramatisch, sieht sie nicht, wohin sie flüchtet. Blind taumelt sie durch ein Schicksal, das sie sich nie selbst gewählt hat, aber auch nie dagegen angekämpft hat.
Aber wer um Himmels Willen ist dieser Mann am Klavier. Ganz einfach. Was wäre musikalisches Dramarett ohne Klavier? Sex ohne Orgasmus? Nicht schlecht, aber doch ohne das finale Tremolo? Daher wird unsere Schönheit kongenial von Herrn Reisenhofer begleitet. Der schüchterne Pianist verdingte sich einst sein Geld in Hamburger Kaschemmen und dunklen Etablissements. Doch eines Nachts entdeckte ihn Fanny und befreite ihn aus seinem Reeperbahn-Elend. Fortan war er ihr ewig zu Dank verpflichtet. Nahezu hörig. Und über die Jahre entwickelte sich eine Art selbstzerstörerische Abhängigkeit. Herr Reisenhofer weiß, dass er ohne Fanny nichts und mit ihr alles ist. Herr Reisenhofer ergibt sich ihr blind. Ihr beider Leben ist schicksalshaft miteinander verwoben. Auch Fanny braucht Herrn Reisenhofer. Ihre einzige Waffe ist ihre Stimme, ihr Schutzschild ist die Maske.
Gesang Nicole Spelz, Klavier Martin Reisenhofer, Regie Christian Pfeiffer
Ort: Theaterstadl, 2042 Guntersdorf, Bahnstr. 201
Aussender / Infos: TWW Theater Westliches Weinviertel, Tel 02951/29 09 (Di 14.30-18.30, Do 8.30-11.30), www.tww.at