Die Art Brut boomt. Die Kunst von Außenseitern, Menschen, die nicht oder nur partiell in die Gesellschaft integriert sind. Manche von ihnen sind allerdings „normaler“ als die sogenannten „Normalen“. Damit stellt sich bereits die Frage: Was ist „normal“? All das, was die Mehrheit der Mitmenschen als „normal“ betrachtet. Vor einigen Jahren waren Tätowierungen hierzulande nicht „normal“. Und vermutlich erscheint einem Amazonas-Bewohner nicht normal, dass jeder Mensch ein Auto, einen Computer und ein Handy besitzt.
Ein Mensch besitzt Künstlerische Begabung – oder er besitzt sie nicht. Unabhängig davon, ob er in einer Klinik hospitiert ist oder nicht. Andererseits genügt es keineswegs, „verrückt“ zu sein, um gute Kunstwerke zu schaffen. Künstler, die der Art Brut zugerechnet werden, sind zu einem großen Teil nicht in ein Wertesystem eingeordnet, sodass sie leichter als andere Menschen Grenzen überschreiten, sie erschaffen sich zumeist ihren eigenen Werte- und Verhaltenskanon. Als Vergleich ein Beispiel: Was ist „richtiger“ – mit Messer und Gabel zu essen oder mit Stäbchen? Natürlich ist beides „richtig“. Deshalb werden all jene, die sich nicht scheuen, über den eigenen Tellerrand zu blicken, mit neuen Sichtweisen belohnt. Weshalb reisen wir alle gern in die Fremde? Doch nicht nur, um Fotos mit nach Hause zu bringen, hingegen um Eindrücke zu gewinnen, die unseren Horizont erweitern.
Aus diesem Grund sind Ausstellungen und Veranstaltungen zu diesem Thema sowohl spannend als auch wichtig, denn sie fördern nicht nur das Verständnis für Kunst, sondern sie gewähren zudem einen Einblick in Bereiche der Kunst, die zumeist außerhalb eines „normalen“ sozialen Umfeldes entsteht. Und sie gestatten den Vergleich, wie bedeutsam diese Arbeiten im Kontext der zeitgenössischen Kunst sind.
In Lausanne gibt es das „Musee de l’art brut“, in Heidelberg die „Sammlung Prinzhorn“ – und in Niederösterreich reüssiert das „Museum Gugging“. Die Künstler der Art Brut produzieren ihre Arbeiten ohne Gehilfen oder Mitarbeiter. Weder lassen sie sich in ihrem Stil beeinflussen, noch orientieren sie sich an marktorientierten Verkaufsstrategien. Künstler der Art Brut schaffen ihre Kunst einzig und allein aus einem inneren Drang heraus. Dagmar Chobot
Diese Künstlerinnen und Künstler werden vertreten sein:
Josef Bachler, Georgy Bretschneider, Gaston Chaissac, Anton Dobay, Alois Fischbach, Johann Fischer, Franz Gableck, Johann Garber, Madge Gill, Ferdinand Hauer, Johann Hauser, Ernst Herbeck (Alexander), Rudolf Horacek, Franz Kamlander, Franz Kernbeis, Fritz Koller, Johann Korec, Rudolf Limberger (Max), Edmund Mach (Aloisius Schnedel), Michel Nedjar, Fritz Opitz, Otto Prinz, Arnold Schmidt, Josef Till, Oswald Tschirtner, August Walla www.noeart.at/fs_galerie14.html
Die Begrüßung zur Ausstellung VER-RÜCKT erfolgt von Mag. Karl-Heinz Jirsa, Kulturstadtrat der Stadtgemeinde Hollabrunn und von Roswitha Straihammer, der Leiterin von NöART. Die Kuratorin der Ausstellung Dagmar Chobot spricht zur Ausstellung. Richard Hogl, Abgeordneter zum NÖ Landtag, eröffnet in Vertretung von Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll die Ausstellung.
Eine Familienführung für Familien mit Kindern ab 5 Jahren wird am Samstag, 5. April 2014 von 10 bis 11.30 Uhr angeboten. Eintritt frei, keine Anmeldung erforderlich. Nähere Infos unter 0664/662 44 75. Die Ausstellung ist donnerstags und freitags von 15 bis 18 Uhr, samstags und sonntags von 10 bis 12 Uhr bis zum 27. April geöffnet.
Aussender / Infos: Galerie grenzART, 2020 Hollabrunn, Sparkasseg. 1, office@grenzart.org , www.grenzart.org , Öffnungszeiten: Do, Fr 15 bis 18 Uhr, Sa, So 10 bis 12 Uhr